Ich muss echt sagen, dass ich von der koreanischen Kultur vollauf fasziniert bin! Und zwar,
...Weil sie uns Westlern einerseits so fremdartig erscheint. Hoeflichkeit und Respekt sind die obersten Gebote. Wenn ich zum Beispiel Freundschaft mit einer aelteren Person schliessen moechte - sei der Altersunterschied auch nur ein oder zwei Jahre - so muss ich sie erstmal ein Jahr lang mit "Sie" und "Herr" anreden, ihr beim Essenstisch das Bierglas voll giessen, die Tuer aufhalten etc. bevor das ueberhaupt moeglich ist.
Oder eine weitere Kuriositaet: Als Manu hier war und kurz in das Zimmer von meinem Mitbewohner rein gelukt hat, meinte er: "Die scheinen ja gerade Besuch zu haben!". Nein, die haben zwar das Bettlaken auf den Boden ausgefahren, aber nicht fuer einen Gast, sondern lediglich, weil sie es der "weichen" Matratze vorziehen (!).
...Weil ich doch andererseits so viele Gemeinsamkeiten vorfinde. Im Gegensatz zu den Chinesen (Achtung, Verallgemeinerung!) hier in Shanghai trinken die Koreaner auch viel Alkohol und machen ausgeassen Party. Gestern waren wir zum Beispiel in einer Bar und haben vier koreanische Maedels getroffen, die sich einfach einen Drink gegoennt haben. Fuer traditionelle Chinesen undenkbar a) ohne Mann und b) ueberhaupt in eine Bar zu gehen.
Abgesehen davon gibt es guten koreanischen HipHop, wahnsinnig interessante Filme (Wer von euch kennt "Old Boy"?) und, und, und...
Die schoensten und kuriosesten Cluberlebnisse waren ebenfalls fast ausschliesslich mit Koreanern. Letztens war ich zum Beispiel in einer westlichen Disko. Es war ziemlich leer, nur ein paar Studenten aus Ami-Land, Buerotypen aus Deutschland und unsere Gruppe war da. Allerdings war ein Tisch mit angeblichen "Chinesen" (oder wer kann von euch behaupten, Chinesen und Koreaner zielsicher auseinander zu halten - ich hab zumindest eine gute Quote) besetzt: zwei Typen und drei Frauen, die von der Erscheinung aussahen wie 16 - was bedeutet, dass sie im Endeffekt wohl in meinem Alter waren ;)
Als ich spaeter ein wenig das Tanzbein geschwungen habe, merkte ich, wie ein Maedel aus der koreanischen Gruppe sich ab und an in meine Richtung naeherte, sehr subtil, aber doch merklich. Auf einmal nahm genau dieses Maedchen meine Hand in ihre Hand, also richtig krass, besonders weil das von ihr ausging (hallo, in Korea ist immer noch der Mann der Boss und so was wie Frauenbewegung und Emanzipation - Fehlanzeige!) und dazu noch, weil bei Koreanern Koerperkontakt im Allgemeinen Tabu und eigentlich nur Paaren vorbehalten ist. Was die Situation allerdings noch mysthischer gemacht hat, war, dass sie mich waehrenddessen nicht in die Augen geschaut hat, sondern mit ihrem Blick immer zur Seite oder nach unten ausgewichen ist (ein weiteres Zeichen von Hoeflichkeit, obwohl ein Westler das wohl eher als unhoeflich empfinden wuerde).
Dann ging die Show weiter: Ich habe ausgelassen mit den Maedels getanzt und mit den Jungs getrunken, die Stimmung war richtig ausgelassen.
Auf einmal kam eine ganz verhaltene Anfrage, ob wir nicht vielleicht ein Foto gemeinsam schiessen koenetnen. Das artete schliesslich in einer riesigen Session auf der Tanzflaeche aus, ich rechts und links mit einem Maedel unterm Arm, ich mit den beiden Typen, ich mit... jede nur moegliche Kombination wurde ausprobiert - die Koreaner/innen haben ihre ueblichen Foto-Posen abgezogen und sind nach jedem Foto in Jubelschreie ausgebrochen. An sich stehe ich ja wirklich nicht gerne im Mittelpunkt, aber das war echt einer der geilsten Ego-Boosts in meinem Leben!
Geendet ist es genau so kurios, wie es angefangen hat. Nachdem das letzte Foto geschossen wurde, sagt mir ein Maedel, dass sie jetzt gehen wuerden, und bevor ich nur die Chance hatte, Tschuess zu sagen, geschweige denn nach einer Handynummer zu fragen, waren sie auch schon verschwunden.
Und ich habe mich das erste Mal im Leben so richtig ausgenutzt gefuehlt ;)
Machts gut
Dienstag, 21. April 2009
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Der Koreander an sich, hat schon an eine sonderbare Natur...Macht aber mehr Party als der Chinese oder Japanese...
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