Tach aus dem freien Berlin,
Fabian hat mich gebeten folgenden Text hier zu posten:
"China hat blogspot gesperrt, d.h. ich kann nicht mehr auf diesen Blog zugreifen. Daher werde ich den Shanghai Blog zumindest vorerst auf meinen Wien Blog www.topicone.blog.de weiter fuehren. Bitte alle (bis auf Manu M.) weiterlesen und fleißig Kommentare schreiben!"
Gruß T.
Montag, 18. Mai 2009
Dienstag, 5. Mai 2009
Ueber Dumplings und planschende Chinesen
Mittlerweile bin ich wieder auferstanden aus dem Reich der Toten und goenne mir aufs Neue meine wohl verdienten 15 Minuten Ruhm:
Was hat der Tag so mit sich gebracht? Wir haben heute bei meiner wundervollen Nachbarin und eifrigen Blogleserin Malina ;) Dumpling Kochen gelernt und auch wenn ich klaeglich versagt habe, so habe ich doch den Tag aeusserst genossen -
Dannach war ich das erste Mal hier schwimmen, und zwar an der Tongjie Universitaet, die von der Fudan vielleicht 20 Minuten entfernt ist. Dort studieren uebrigens recht viele Deutsche, vor allem BWL'er, und die Uni selbst ist auch in deutscher Kooperation enstanden.
Im Gegensatz zu meiner Uni besteht der Campus der Tongjie nicht nur aus willkuerlich zusammen gewuerfelten Haeusern, sondern wirkt architektonisch wohl durchdacht und hat auch mehrere Kanaele und viel gruen.
Die Schwimmhalle selbst war westlicher Standard - es gab absolut nichts zum Meckern, aber dennoch natuerlich ein paar neue Erfahrungen:
- Zu allererst musste ich eine Art "Gesundheitspass" abgeben, der versichern sollte, dass ich keine ansteckenden Krankheiten mit mir fuehre. Natuerlich besitze ich einen solchen nicht. Allerdings hatte eine Freundin von mir zwei bei sich; einen duerfte ich benuetzen. Aha, wie ist denn das moeglich, fragte ich mich. Aber auch hier geht es wohl nur wieder mal um die Moeglichkeit, alibi-maessig ein wenig Geld abzustauben - chinesische Buerokratie at its best!
- Ausserdem musste ich mir noch einen Schwimmhut zulegen, um meine Haare zu schuetzen.
- In der Halle angekommen sah man grundsaetzlich keine Bikinis. Die Frauen waren ziemlich "bedeckt", wohingegen die Maenner knappe und eng anliegende Badehosen trugen.
- Der Pool war in zwei Haelften geteilt: Die eine war wahnsinnig voll, die andere noch ueberschaubar. Wieso wohl?
- ...Weil die meisten Chinesen gar nicht schwimmen koennen und deswegen nur ein wenig im Anfaengerbereich geplanscht haben. Lustig anzusehen, besonders bei den Nichtschwimmern im fortgeschrittenen Alter ;)
Jetzt fragt ihr euch sicher, wieso, hier ist es doch im Sommer so wahnsinnig heiss und das Meer liegt quasi gleich vor der Tuer. Aber erstens ist das Meer so verschmutzt, dass das wohl niemand ueberleben wuerde und zweitens fuerchten die meisten Chinesinnen extrem die Sonne (hauptsaechlich aus Angst um ihre "wunderschoen blasse" Haut), sodass Freibaeder auch nicht sondelrich beliebt sind.
Bei mir gehts heute abend nach Peking und neben meinen schon existierenden Ideen werde ich dort sicher auch nochmal Anregungen fuer neue Blogeintraege finden koennen. Nur in letzter Zeit fehtle mir ein bisschen die Schreiblust, was man leider meiner Meinung nach diesen und den letzten Eintraegen auch ansieht. Aber ich bin optimistisch, dass die Muse mich wieder kuesst!
Machts gut
Was hat der Tag so mit sich gebracht? Wir haben heute bei meiner wundervollen Nachbarin und eifrigen Blogleserin Malina ;) Dumpling Kochen gelernt und auch wenn ich klaeglich versagt habe, so habe ich doch den Tag aeusserst genossen -
Dannach war ich das erste Mal hier schwimmen, und zwar an der Tongjie Universitaet, die von der Fudan vielleicht 20 Minuten entfernt ist. Dort studieren uebrigens recht viele Deutsche, vor allem BWL'er, und die Uni selbst ist auch in deutscher Kooperation enstanden.
Im Gegensatz zu meiner Uni besteht der Campus der Tongjie nicht nur aus willkuerlich zusammen gewuerfelten Haeusern, sondern wirkt architektonisch wohl durchdacht und hat auch mehrere Kanaele und viel gruen.
Die Schwimmhalle selbst war westlicher Standard - es gab absolut nichts zum Meckern, aber dennoch natuerlich ein paar neue Erfahrungen:
- Zu allererst musste ich eine Art "Gesundheitspass" abgeben, der versichern sollte, dass ich keine ansteckenden Krankheiten mit mir fuehre. Natuerlich besitze ich einen solchen nicht. Allerdings hatte eine Freundin von mir zwei bei sich; einen duerfte ich benuetzen. Aha, wie ist denn das moeglich, fragte ich mich. Aber auch hier geht es wohl nur wieder mal um die Moeglichkeit, alibi-maessig ein wenig Geld abzustauben - chinesische Buerokratie at its best!
- Ausserdem musste ich mir noch einen Schwimmhut zulegen, um meine Haare zu schuetzen.
- In der Halle angekommen sah man grundsaetzlich keine Bikinis. Die Frauen waren ziemlich "bedeckt", wohingegen die Maenner knappe und eng anliegende Badehosen trugen.
- Der Pool war in zwei Haelften geteilt: Die eine war wahnsinnig voll, die andere noch ueberschaubar. Wieso wohl?
- ...Weil die meisten Chinesen gar nicht schwimmen koennen und deswegen nur ein wenig im Anfaengerbereich geplanscht haben. Lustig anzusehen, besonders bei den Nichtschwimmern im fortgeschrittenen Alter ;)
Jetzt fragt ihr euch sicher, wieso, hier ist es doch im Sommer so wahnsinnig heiss und das Meer liegt quasi gleich vor der Tuer. Aber erstens ist das Meer so verschmutzt, dass das wohl niemand ueberleben wuerde und zweitens fuerchten die meisten Chinesinnen extrem die Sonne (hauptsaechlich aus Angst um ihre "wunderschoen blasse" Haut), sodass Freibaeder auch nicht sondelrich beliebt sind.
Bei mir gehts heute abend nach Peking und neben meinen schon existierenden Ideen werde ich dort sicher auch nochmal Anregungen fuer neue Blogeintraege finden koennen. Nur in letzter Zeit fehtle mir ein bisschen die Schreiblust, was man leider meiner Meinung nach diesen und den letzten Eintraegen auch ansieht. Aber ich bin optimistisch, dass die Muse mich wieder kuesst!
Machts gut
Montag, 4. Mai 2009
Sendepause
Hi da draussen,
Seit Freitag funktioniert das Internet in meinem Studentenheim nicht mehr und ich hab auch keinen blassen Schimmer, wie lange dieser Zustand noch anhaelt.
Daher koennte es in naechster Zeit auf diesem Blog eine kleine Durststrecke geben -
Dann bis in ein paar Tagen...
Fabian
Seit Freitag funktioniert das Internet in meinem Studentenheim nicht mehr und ich hab auch keinen blassen Schimmer, wie lange dieser Zustand noch anhaelt.
Daher koennte es in naechster Zeit auf diesem Blog eine kleine Durststrecke geben -
Dann bis in ein paar Tagen...
Fabian
Donnerstag, 30. April 2009
Vorgeschmack auf den 1. Mai: Die erste Parade
Heute morgen hat mich mein Mitbewohner darueber informiert, dass bei uns am Wall-Mart ein Strassenumzug stattfindet. "Reggae" habe ich verstanden und verdutzt geguckt, dabei hat er eigentlich "parade" gesagt -
Ungeduscht und ohne Zaehneputzten (ausnahmsweise!), aber dafuer mit Fruehstueck in der Hand bin ich dann Richtung Einkaufsviertel losgefahren. Schon zwei Strassen weiter stand massives Polizeiaufgebot und es waren erstaunlich viele Menschen unterwegs -
Ich habe leider nicht allzu viel Zeit, daher nur telegrafen-Style:
Es waren hauptsaechlich Schuelerunterwegs... Keine Miltiaerparade, die Kalaschnikows wurden zu Hause gelassen ;) ...die Musik reichte von klassischer Marschmusik ueber zu Sambarhithmen bis hin zum Star Wars Soundtrack (!!!)... ich habe es sehr genossen, aber seht selbst:




Morgen werde ich trotz der Menschenmassen, mich mit einer Freundin Richtung downtown begeben. Das wird hardcore: Morgen ist ganz China unterwegs! Ich hoffe, ich werde nicht zerquetscht :)
Ungeduscht und ohne Zaehneputzten (ausnahmsweise!), aber dafuer mit Fruehstueck in der Hand bin ich dann Richtung Einkaufsviertel losgefahren. Schon zwei Strassen weiter stand massives Polizeiaufgebot und es waren erstaunlich viele Menschen unterwegs -
Ich habe leider nicht allzu viel Zeit, daher nur telegrafen-Style:
Es waren hauptsaechlich Schuelerunterwegs... Keine Miltiaerparade, die Kalaschnikows wurden zu Hause gelassen ;) ...die Musik reichte von klassischer Marschmusik ueber zu Sambarhithmen bis hin zum Star Wars Soundtrack (!!!)... ich habe es sehr genossen, aber seht selbst:




Morgen werde ich trotz der Menschenmassen, mich mit einer Freundin Richtung downtown begeben. Das wird hardcore: Morgen ist ganz China unterwegs! Ich hoffe, ich werde nicht zerquetscht :)
Dienstag, 28. April 2009
Unter der Oberflaeche -
In vielen meiner Posts sprach ich immer wieder von der chinesischen Jugend, die im Gegensatz zu der westlichen allzu unschuldig und rein wirkt, ihren Eltern gehorrcht, sich unterordnet etc.
Nun moechte ich ein paar weitere Aspekte hinzufuegen, damit das Bild etwas kompletter wird:
Chinas Jugend steht unter enormer Konkurrenz, gerade in der Schulzeit. Jeder will studieren und dafuer muss das Abitur exzellent sein. Was mit dem Numerus Clasusus-System in Deutschland schon inhuman wirkt, ist ein Witz gegen hiesige Verhaeltnisse. Das letzte halbe Jahr vor dem Abi haben die Schueler keine Freizeit, sondern nur noch die Pruefung vor Augen.
Dabei reicht es nicht, an irgendeiner Uni zu studieren. Im Gegensatz zu Deutschland schwankt das Niveau extrem. Wer an einer vermeintlich schlechten Uni studiert, kann gleich einpacken, waehrend Absolventen von Elite Unis sich die Jobs am Fliessband aussuchen koennen.
Materielle Sicherheit ist in China wesentlich wichtiger als bei uns, wo sich viele junge Leute den Luxus heraus nehmen, andere Prioraeten im Leben zu haben, beim "Ich will erfolgreich und reich sein"-Spiel nicht mehr mitspielen wollen und nach der Schulzeit erstmal auf Sinnfindung in der dritten Welt rumreisen wollen. Das funktioniert natuerlich nur mit reichen Eltern oder einem guten Sozialstaat im Hintergrund.
In China sieht die Situation jedoch anders aus. Es gilt wie selbstverstaendlich die Pflicht, dass die Kinder spaeter einmal fuer die Eltern sorgen und diesen im Alter ein angenehmes Leben ermoeglichen sollen. Bei Maennern kommt hinzu, dass diese nicht nur humorvoll sein und gut aussehen sollen, sondern vielmals auch einen ordentlichen Job brauchen, um das Ok der zukuenftigen Schwiegereltern zu bekommen. Das soll jedoch nicht heissen, dass Maenner eine schlechtere Position in der Gesellschaft haben, im Gegenteil. Allerdings sind die Frauen in China im Vergleich zu anderen asiatischen Laendern ziemlich emanzipiert.
Wer in China aufwaechst, auf dem lastet ein enormer Druck. Anders als bei uns kann man jedoch seine Gefuehle nicht offen zeigen. Nach aussen hin wird immer gelaechelt und fuer soziale Harmonie gesorgt, unter der Oberflaeche brodelt es jedoch gewaltig.
Depressionen sind ein grosses Problem, besonders auch unter Studenten. Dass dies so ist, hat mich zuerst stark verwundert und oberflaechlich betrachtet mag man es kaum glauben: Die meisten Studenten lernen den Tag ueber in der Bibliothek, essen zwischendurch, gehen abends freuh ins Bett und treffen sich am Wochenende mit Freunden zum Shoppen oder Karaoke Singen. Ein einfaches Leben, kein Alkohol, keine Drogen, keine Wohlstandsverwahrlosung oder sonstige (westliche) Grossstadtproblematiken.
Trotzdem hat China die hoechste Selbstmordrate der Welt, besonders unter Frauen. In regelmaessigem Abstand steigen Studenten auf das hoechste Gebaeude ihrer Uni und springen. Oft passiert dies einen Tag vor der Abschlusspruefung.
Manchmal ist Liebeskummer im Spiel, aber meist wird der Druck einfach zu gross. Die Finanzkrise verschlimmert die Situation erheblich. War ein Uniabschluss frueher noch eine Jobgarantiee, so muessen mittlerweile viele Studenten um einen Arbeitsplatz bangen.
Auch Dozenten und Professoren haben es uebrigens nicht leicht. Enormer beruflicher Stress fuehrt oft dazu, dass viele mit Mitte vierzig einen Herzinfakt erleiden und einfach umfallen oder aber einen Brief an Frau und Kind schreiben und einfach verschwinden.
Der entscheidende Unterschied zu uns sind nicht die Probleme selbst (auch wenn diese natuerlich hier heftiger auftreten), sondern der Umgang mit ihnen. Es wird viel mehr geleugnet, unter den Teppich gekehrt und es gibt kein Ventil zur Kompensation.
Kleine Anmerkung: Auch wenn es manchmal so rueberkommt, habe ich natuerlich nicht die Weisheit mit Loeffeln gegessen, sondern nur meine Gedanken aus der Sicht eines Austauschstudenten, der lediglich seit drei Monaten in diesem Land ist, etwas ungeordnet, aber aufrichtig und mit reinem Gewissen aufgeschrieben. Also bitte nichts als der Wahrheit letzter Stand nehmen - dennoch glaube ich, dass ich die Situation recht treffend analysiert und zumindest die Kernproblematik rauskristallisiert habe.
Nun moechte ich ein paar weitere Aspekte hinzufuegen, damit das Bild etwas kompletter wird:
Chinas Jugend steht unter enormer Konkurrenz, gerade in der Schulzeit. Jeder will studieren und dafuer muss das Abitur exzellent sein. Was mit dem Numerus Clasusus-System in Deutschland schon inhuman wirkt, ist ein Witz gegen hiesige Verhaeltnisse. Das letzte halbe Jahr vor dem Abi haben die Schueler keine Freizeit, sondern nur noch die Pruefung vor Augen.
Dabei reicht es nicht, an irgendeiner Uni zu studieren. Im Gegensatz zu Deutschland schwankt das Niveau extrem. Wer an einer vermeintlich schlechten Uni studiert, kann gleich einpacken, waehrend Absolventen von Elite Unis sich die Jobs am Fliessband aussuchen koennen.
Materielle Sicherheit ist in China wesentlich wichtiger als bei uns, wo sich viele junge Leute den Luxus heraus nehmen, andere Prioraeten im Leben zu haben, beim "Ich will erfolgreich und reich sein"-Spiel nicht mehr mitspielen wollen und nach der Schulzeit erstmal auf Sinnfindung in der dritten Welt rumreisen wollen. Das funktioniert natuerlich nur mit reichen Eltern oder einem guten Sozialstaat im Hintergrund.
In China sieht die Situation jedoch anders aus. Es gilt wie selbstverstaendlich die Pflicht, dass die Kinder spaeter einmal fuer die Eltern sorgen und diesen im Alter ein angenehmes Leben ermoeglichen sollen. Bei Maennern kommt hinzu, dass diese nicht nur humorvoll sein und gut aussehen sollen, sondern vielmals auch einen ordentlichen Job brauchen, um das Ok der zukuenftigen Schwiegereltern zu bekommen. Das soll jedoch nicht heissen, dass Maenner eine schlechtere Position in der Gesellschaft haben, im Gegenteil. Allerdings sind die Frauen in China im Vergleich zu anderen asiatischen Laendern ziemlich emanzipiert.
Wer in China aufwaechst, auf dem lastet ein enormer Druck. Anders als bei uns kann man jedoch seine Gefuehle nicht offen zeigen. Nach aussen hin wird immer gelaechelt und fuer soziale Harmonie gesorgt, unter der Oberflaeche brodelt es jedoch gewaltig.
Depressionen sind ein grosses Problem, besonders auch unter Studenten. Dass dies so ist, hat mich zuerst stark verwundert und oberflaechlich betrachtet mag man es kaum glauben: Die meisten Studenten lernen den Tag ueber in der Bibliothek, essen zwischendurch, gehen abends freuh ins Bett und treffen sich am Wochenende mit Freunden zum Shoppen oder Karaoke Singen. Ein einfaches Leben, kein Alkohol, keine Drogen, keine Wohlstandsverwahrlosung oder sonstige (westliche) Grossstadtproblematiken.
Trotzdem hat China die hoechste Selbstmordrate der Welt, besonders unter Frauen. In regelmaessigem Abstand steigen Studenten auf das hoechste Gebaeude ihrer Uni und springen. Oft passiert dies einen Tag vor der Abschlusspruefung.
Manchmal ist Liebeskummer im Spiel, aber meist wird der Druck einfach zu gross. Die Finanzkrise verschlimmert die Situation erheblich. War ein Uniabschluss frueher noch eine Jobgarantiee, so muessen mittlerweile viele Studenten um einen Arbeitsplatz bangen.
Auch Dozenten und Professoren haben es uebrigens nicht leicht. Enormer beruflicher Stress fuehrt oft dazu, dass viele mit Mitte vierzig einen Herzinfakt erleiden und einfach umfallen oder aber einen Brief an Frau und Kind schreiben und einfach verschwinden.
Der entscheidende Unterschied zu uns sind nicht die Probleme selbst (auch wenn diese natuerlich hier heftiger auftreten), sondern der Umgang mit ihnen. Es wird viel mehr geleugnet, unter den Teppich gekehrt und es gibt kein Ventil zur Kompensation.
Kleine Anmerkung: Auch wenn es manchmal so rueberkommt, habe ich natuerlich nicht die Weisheit mit Loeffeln gegessen, sondern nur meine Gedanken aus der Sicht eines Austauschstudenten, der lediglich seit drei Monaten in diesem Land ist, etwas ungeordnet, aber aufrichtig und mit reinem Gewissen aufgeschrieben. Also bitte nichts als der Wahrheit letzter Stand nehmen - dennoch glaube ich, dass ich die Situation recht treffend analysiert und zumindest die Kernproblematik rauskristallisiert habe.
Sonntag, 26. April 2009
Einer der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts
Auch wenn der Nanjing-Trip von Manu und mir sicher schon einen guten Monat zurueck liegt, so liegt es mir doch auf dem Herzen, davon hier zu berichten.
Nanjing ist in den Geschichtsbuechern vor allem fuer eines bekannt: das so genannte Nanjing-Massaker, eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Japans. Im Jahr 1937 war die Stadt unter japanischer Besetzung 6 Wochen lang zur Pluenderung frei gegeben. In einem unstoppbaren Blutrausch haben japanische Soldaten ueber 340 000 Leute auf jede nur erdenkliche Art getoetet, also gezielt eine ganze Stadt auszuloeschen versucht. Vergleichbar sind diese Greueltaten wohl nur noch mit dem Holocaust.
Die restliche Bevoelkerung verdankt ihrem Ueberleben hauptsaechlich dem Schutz eines internationalen Kommitees, das von dem deutschen John Rabe, gefuehrt wurde. Seit dem 2. April ist uebrigens auch ein gleichnamiger Kinofilm erschienen mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, wird nun versucht, ihn als Schindler Asiens zu gedenken und ihm seinen verdienten Platz in den Geschichtsbuechern zuzusichern.
Das krasse an der Sache ist, dass die japanische Regierung sich bis jetzt noch nicht offiziell entschuldigt hat (!!!). Kulturelle Differenzen hin und her, aber nur die Tatsache, dass man nicht sein Gesicht verlieren kann, entschuldigt dieses Verhalten nicht im Ansatz.
Es gibt in Nanjing jedenfalls eine riesige Gedenkstaette, mindestens 6 mal so gross wie unser Holocaust. Ich weiss nicht, wie ihr dazu steht, aber mich hat das leicht nachdenklich gemacht, wieso wir so lange fuer ein offizielles Denkmal brauchen, dass dann vergleichsweise klein und harmlos ausfaellt (obwohl mir klar ist, dass es nicht darum geht, wie "bombastisch" ein Mahnmal ausfaellt) und den Schrecken und Terror der damaligen Zeit nicht wirklich wiedergibt -
Etwas ungewohnt fuer einen Deutschen war die Tatsache, dass die Gedenkstaette durchaus in chinesichem Pathos gehalten war. So erklangen in manchen Hallen Heldenchoere etc., allerdings befanden Manu und ich, dass es durchaus angemessen war und wir beide, besonders Manu, sind tief bewegt aus der Gedenkstaette heraus gegangen.
Bevor ich ein paar Bilder sprechen lasse, moechte ich noch zwei Dinge hervor heben: Zum einen gab es eine riesige Halle, die mit Sand gefuellt war, auf denen die Gebeine von unzaehligen Opfern zu sehen waren. Das war echt befremdlich und schockierend zugleich. In einer anderen Halle liefen auf riesigen Fernsehbildschirmen Interviews mit mittlerweile vergreisten japanischen Soldaten, die sich immer noch keiner Schuld bewusst sind.
So, hier ein paar Eindruecke:







Nanjing ist in den Geschichtsbuechern vor allem fuer eines bekannt: das so genannte Nanjing-Massaker, eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Japans. Im Jahr 1937 war die Stadt unter japanischer Besetzung 6 Wochen lang zur Pluenderung frei gegeben. In einem unstoppbaren Blutrausch haben japanische Soldaten ueber 340 000 Leute auf jede nur erdenkliche Art getoetet, also gezielt eine ganze Stadt auszuloeschen versucht. Vergleichbar sind diese Greueltaten wohl nur noch mit dem Holocaust.
Die restliche Bevoelkerung verdankt ihrem Ueberleben hauptsaechlich dem Schutz eines internationalen Kommitees, das von dem deutschen John Rabe, gefuehrt wurde. Seit dem 2. April ist uebrigens auch ein gleichnamiger Kinofilm erschienen mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, wird nun versucht, ihn als Schindler Asiens zu gedenken und ihm seinen verdienten Platz in den Geschichtsbuechern zuzusichern.
Das krasse an der Sache ist, dass die japanische Regierung sich bis jetzt noch nicht offiziell entschuldigt hat (!!!). Kulturelle Differenzen hin und her, aber nur die Tatsache, dass man nicht sein Gesicht verlieren kann, entschuldigt dieses Verhalten nicht im Ansatz.
Es gibt in Nanjing jedenfalls eine riesige Gedenkstaette, mindestens 6 mal so gross wie unser Holocaust. Ich weiss nicht, wie ihr dazu steht, aber mich hat das leicht nachdenklich gemacht, wieso wir so lange fuer ein offizielles Denkmal brauchen, dass dann vergleichsweise klein und harmlos ausfaellt (obwohl mir klar ist, dass es nicht darum geht, wie "bombastisch" ein Mahnmal ausfaellt) und den Schrecken und Terror der damaligen Zeit nicht wirklich wiedergibt -
Etwas ungewohnt fuer einen Deutschen war die Tatsache, dass die Gedenkstaette durchaus in chinesichem Pathos gehalten war. So erklangen in manchen Hallen Heldenchoere etc., allerdings befanden Manu und ich, dass es durchaus angemessen war und wir beide, besonders Manu, sind tief bewegt aus der Gedenkstaette heraus gegangen.
Bevor ich ein paar Bilder sprechen lasse, moechte ich noch zwei Dinge hervor heben: Zum einen gab es eine riesige Halle, die mit Sand gefuellt war, auf denen die Gebeine von unzaehligen Opfern zu sehen waren. Das war echt befremdlich und schockierend zugleich. In einer anderen Halle liefen auf riesigen Fernsehbildschirmen Interviews mit mittlerweile vergreisten japanischen Soldaten, die sich immer noch keiner Schuld bewusst sind.
So, hier ein paar Eindruecke:







Halbzeit
Hi da draussen,
Es wird langsam mal Zeit, ein kleines Resumee zu ziehen -
Auch wenn ich nicht davon ueberzeugt bin, dass ein Blog nicht sonderlich dafuer geeignet ist, sich ausgiebig ueber seine Gefuehle auszulassen, moechte ich doch an diesr Stelle mich der Welt offenbaren:
Es geht mir wahnsinnig gut und ich hoffe, dass zumondest ein kleiner Funke meiner Euphorie es auch ein paar Tausend Kilometer Richtung Westen schafft!
Heute war ich wieder mal im Auftrag unterwegs, die europaeische Kultur zu repraesentieren und habe fuer ein paar chinesische Freunde Spaghetti gekocht. Insgesamt waren wir zu siebt in einer Wohnung irgendwo in Shanghai, ganz weit weg von Touristen und Westlern, und trotz der Groesse der Gruppe habe ich zu meiner Zufriedenheit jeden Magen satt gekriegt -
Dannach haben wir UNO gespielt, worin ich ja dank ettlicher Italienurlaube mit Manu, Philip und Co. schon seit Jahren Experte bin. Auch heute konnte ich daher die ein oder andere Runde fuer mich entscheiden.
Ein paar kulturelle Unterschiede gab es dennoch: Junge Chinesen unter sich sind wahnsinnig laut, lachen und bloedeln staendig herum etc. Vor allem wirkt das Ganze fuer einen Westler unglaublich kindisch und unschuldig und auch wenn ich mit Leuten von 20 bis 28 Jahren an einem Tisch gesessen bin, war ich geneigt zu sagen: "Wie suess!".
Wieso: Erstens war kein Alkohol im Spiel - Ich kann mich nicht erinnern, seit meinem 16. Lebensjahr jemals so daemlich rumgebloedelt zu haben ohne nicht zumindest ein paar Bierchen intus ;)
Zweitens waren die Scherze, die gerissen wurden, ganz unschuldiger Natur. Es ging nicht um Sex, Gewalt oder sonst was, nein, auch keine Auslaender- oder Naziwitze, sondern vielmehr: "Kommt ein Hase nach...", ihr wisst schon, was ich meine. Im 30 Sekundentakt wurde herzhaft gekichert, meist mit einer "Victorygeste" kombiniert (d.h. man macht ein Peace-Zeichen mit beiden Haenden, haelt diese neben dem Kopf und grinst, als waer man eine Mangafigur) und mit einem Laecheln auf den naechsten Joke gewartet -
Dann hab ich noch beim Karatetraining zugeschaut und da ist mir das erste Mal so richtig deutlich geworden, dass ich trotz all der Tiefphasen, die ich in Shanghai meist aufgrund von Einsamkeitsgefuehlen zweifellos hatte und sicher auch noch haben werde, ich doch unzaehlige chinesische und koreanische Freunde gefunden habe, fuer die paar Monate extrem viel am chinesischen Alltag teilnehmen, in die Lebensweise eintauchen und mich in die Kultur verlieben durfte, dass es eine reine Freude ist, nachts im Bett die Zeit revue passieren zu lassen.
Nach so viel "Offenbarerei" wieder zum Tagesgeschaeft: Ebenfalls eine reine Freude war es, gestern im chinesischen Fenrsehen live Hoennes stocksauer und Klinsi fett eingeschuechtert, ja geradezu veraengstigt zu sehen, und dazu noch die kichernden Kommentatoren auf chinesisch - Ok, der Arme, aber ich sag nur:
Ha Ho He, der Traum geht weiter!
Zum Abschluss noch ein Foto von mir und Julian, meinem "Germanistikstudenten" und gutem Freund, mit dem ich regelmaessig etwas unternehme und die Passanten meist nur verdutzt rueber schauen, weil da ein Westler und Chinese sich in fluessigem Deutsch unterhalten ;)
Achja, noch was... ihr duerft gerne meine Braeune bewundern ;)
Ich wuensch euch was -

Es wird langsam mal Zeit, ein kleines Resumee zu ziehen -
Auch wenn ich nicht davon ueberzeugt bin, dass ein Blog nicht sonderlich dafuer geeignet ist, sich ausgiebig ueber seine Gefuehle auszulassen, moechte ich doch an diesr Stelle mich der Welt offenbaren:
Es geht mir wahnsinnig gut und ich hoffe, dass zumondest ein kleiner Funke meiner Euphorie es auch ein paar Tausend Kilometer Richtung Westen schafft!
Heute war ich wieder mal im Auftrag unterwegs, die europaeische Kultur zu repraesentieren und habe fuer ein paar chinesische Freunde Spaghetti gekocht. Insgesamt waren wir zu siebt in einer Wohnung irgendwo in Shanghai, ganz weit weg von Touristen und Westlern, und trotz der Groesse der Gruppe habe ich zu meiner Zufriedenheit jeden Magen satt gekriegt -
Dannach haben wir UNO gespielt, worin ich ja dank ettlicher Italienurlaube mit Manu, Philip und Co. schon seit Jahren Experte bin. Auch heute konnte ich daher die ein oder andere Runde fuer mich entscheiden.
Ein paar kulturelle Unterschiede gab es dennoch: Junge Chinesen unter sich sind wahnsinnig laut, lachen und bloedeln staendig herum etc. Vor allem wirkt das Ganze fuer einen Westler unglaublich kindisch und unschuldig und auch wenn ich mit Leuten von 20 bis 28 Jahren an einem Tisch gesessen bin, war ich geneigt zu sagen: "Wie suess!".
Wieso: Erstens war kein Alkohol im Spiel - Ich kann mich nicht erinnern, seit meinem 16. Lebensjahr jemals so daemlich rumgebloedelt zu haben ohne nicht zumindest ein paar Bierchen intus ;)
Zweitens waren die Scherze, die gerissen wurden, ganz unschuldiger Natur. Es ging nicht um Sex, Gewalt oder sonst was, nein, auch keine Auslaender- oder Naziwitze, sondern vielmehr: "Kommt ein Hase nach...", ihr wisst schon, was ich meine. Im 30 Sekundentakt wurde herzhaft gekichert, meist mit einer "Victorygeste" kombiniert (d.h. man macht ein Peace-Zeichen mit beiden Haenden, haelt diese neben dem Kopf und grinst, als waer man eine Mangafigur) und mit einem Laecheln auf den naechsten Joke gewartet -
Dann hab ich noch beim Karatetraining zugeschaut und da ist mir das erste Mal so richtig deutlich geworden, dass ich trotz all der Tiefphasen, die ich in Shanghai meist aufgrund von Einsamkeitsgefuehlen zweifellos hatte und sicher auch noch haben werde, ich doch unzaehlige chinesische und koreanische Freunde gefunden habe, fuer die paar Monate extrem viel am chinesischen Alltag teilnehmen, in die Lebensweise eintauchen und mich in die Kultur verlieben durfte, dass es eine reine Freude ist, nachts im Bett die Zeit revue passieren zu lassen.
Nach so viel "Offenbarerei" wieder zum Tagesgeschaeft: Ebenfalls eine reine Freude war es, gestern im chinesischen Fenrsehen live Hoennes stocksauer und Klinsi fett eingeschuechtert, ja geradezu veraengstigt zu sehen, und dazu noch die kichernden Kommentatoren auf chinesisch - Ok, der Arme, aber ich sag nur:
Ha Ho He, der Traum geht weiter!
Zum Abschluss noch ein Foto von mir und Julian, meinem "Germanistikstudenten" und gutem Freund, mit dem ich regelmaessig etwas unternehme und die Passanten meist nur verdutzt rueber schauen, weil da ein Westler und Chinese sich in fluessigem Deutsch unterhalten ;)
Achja, noch was... ihr duerft gerne meine Braeune bewundern ;)
Ich wuensch euch was -
Abonnieren
Posts (Atom)
