Am 9. Februar geht´s los: Ein Semester werde ich dann an der Fudan Universität in Shanghai studieren - eine der ältesten und führenden Universitäten Chinas. Hier berichte ich von meinen Entdeckungen in Shanghai, dem Studentenleben und meinen Trips durch China.
Heute morgen hat mich mein Mitbewohner darueber informiert, dass bei uns am Wall-Mart ein Strassenumzug stattfindet. "Reggae" habe ich verstanden und verdutzt geguckt, dabei hat er eigentlich "parade" gesagt -
Ungeduscht und ohne Zaehneputzten (ausnahmsweise!), aber dafuer mit Fruehstueck in der Hand bin ich dann Richtung Einkaufsviertel losgefahren. Schon zwei Strassen weiter stand massives Polizeiaufgebot und es waren erstaunlich viele Menschen unterwegs -
Ich habe leider nicht allzu viel Zeit, daher nur telegrafen-Style: Es waren hauptsaechlich Schuelerunterwegs... Keine Miltiaerparade, die Kalaschnikows wurden zu Hause gelassen ;) ...die Musik reichte von klassischer Marschmusik ueber zu Sambarhithmen bis hin zum Star Wars Soundtrack (!!!)... ich habe es sehr genossen, aber seht selbst:
Morgen werde ich trotz der Menschenmassen, mich mit einer Freundin Richtung downtown begeben. Das wird hardcore: Morgen ist ganz China unterwegs! Ich hoffe, ich werde nicht zerquetscht :)
In vielen meiner Posts sprach ich immer wieder von der chinesischen Jugend, die im Gegensatz zu der westlichen allzu unschuldig und rein wirkt, ihren Eltern gehorrcht, sich unterordnet etc.
Nun moechte ich ein paar weitere Aspekte hinzufuegen, damit das Bild etwas kompletter wird:
Chinas Jugend steht unter enormer Konkurrenz, gerade in der Schulzeit. Jeder will studieren und dafuer muss das Abitur exzellent sein. Was mit dem Numerus Clasusus-System in Deutschland schon inhuman wirkt, ist ein Witz gegen hiesige Verhaeltnisse. Das letzte halbe Jahr vor dem Abi haben die Schueler keine Freizeit, sondern nur noch die Pruefung vor Augen.
Dabei reicht es nicht, an irgendeiner Uni zu studieren. Im Gegensatz zu Deutschland schwankt das Niveau extrem. Wer an einer vermeintlich schlechten Uni studiert, kann gleich einpacken, waehrend Absolventen von Elite Unis sich die Jobs am Fliessband aussuchen koennen.
Materielle Sicherheit ist in China wesentlich wichtiger als bei uns, wo sich viele junge Leute den Luxus heraus nehmen, andere Prioraeten im Leben zu haben, beim "Ich will erfolgreich und reich sein"-Spiel nicht mehr mitspielen wollen und nach der Schulzeit erstmal auf Sinnfindung in der dritten Welt rumreisen wollen. Das funktioniert natuerlich nur mit reichen Eltern oder einem guten Sozialstaat im Hintergrund.
In China sieht die Situation jedoch anders aus. Es gilt wie selbstverstaendlich die Pflicht, dass die Kinder spaeter einmal fuer die Eltern sorgen und diesen im Alter ein angenehmes Leben ermoeglichen sollen. Bei Maennern kommt hinzu, dass diese nicht nur humorvoll sein und gut aussehen sollen, sondern vielmals auch einen ordentlichen Job brauchen, um das Ok der zukuenftigen Schwiegereltern zu bekommen. Das soll jedoch nicht heissen, dass Maenner eine schlechtere Position in der Gesellschaft haben, im Gegenteil. Allerdings sind die Frauen in China im Vergleich zu anderen asiatischen Laendern ziemlich emanzipiert.
Wer in China aufwaechst, auf dem lastet ein enormer Druck. Anders als bei uns kann man jedoch seine Gefuehle nicht offen zeigen. Nach aussen hin wird immer gelaechelt und fuer soziale Harmonie gesorgt, unter der Oberflaeche brodelt es jedoch gewaltig.
Depressionen sind ein grosses Problem, besonders auch unter Studenten. Dass dies so ist, hat mich zuerst stark verwundert und oberflaechlich betrachtet mag man es kaum glauben: Die meisten Studenten lernen den Tag ueber in der Bibliothek, essen zwischendurch, gehen abends freuh ins Bett und treffen sich am Wochenende mit Freunden zum Shoppen oder Karaoke Singen. Ein einfaches Leben, kein Alkohol, keine Drogen, keine Wohlstandsverwahrlosung oder sonstige (westliche) Grossstadtproblematiken.
Trotzdem hat China die hoechste Selbstmordrate der Welt, besonders unter Frauen. In regelmaessigem Abstand steigen Studenten auf das hoechste Gebaeude ihrer Uni und springen. Oft passiert dies einen Tag vor der Abschlusspruefung.
Manchmal ist Liebeskummer im Spiel, aber meist wird der Druck einfach zu gross. Die Finanzkrise verschlimmert die Situation erheblich. War ein Uniabschluss frueher noch eine Jobgarantiee, so muessen mittlerweile viele Studenten um einen Arbeitsplatz bangen.
Auch Dozenten und Professoren haben es uebrigens nicht leicht. Enormer beruflicher Stress fuehrt oft dazu, dass viele mit Mitte vierzig einen Herzinfakt erleiden und einfach umfallen oder aber einen Brief an Frau und Kind schreiben und einfach verschwinden.
Der entscheidende Unterschied zu uns sind nicht die Probleme selbst (auch wenn diese natuerlich hier heftiger auftreten), sondern der Umgang mit ihnen. Es wird viel mehr geleugnet, unter den Teppich gekehrt und es gibt kein Ventil zur Kompensation.
Kleine Anmerkung: Auch wenn es manchmal so rueberkommt, habe ich natuerlich nicht die Weisheit mit Loeffeln gegessen, sondern nur meine Gedanken aus der Sicht eines Austauschstudenten, der lediglich seit drei Monaten in diesem Land ist, etwas ungeordnet, aber aufrichtig und mit reinem Gewissen aufgeschrieben. Also bitte nichts als der Wahrheit letzter Stand nehmen - dennoch glaube ich, dass ich die Situation recht treffend analysiert und zumindest die Kernproblematik rauskristallisiert habe.
Auch wenn der Nanjing-Trip von Manu und mir sicher schon einen guten Monat zurueck liegt, so liegt es mir doch auf dem Herzen, davon hier zu berichten.
Nanjing ist in den Geschichtsbuechern vor allem fuer eines bekannt: das so genannte Nanjing-Massaker, eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Japans. Im Jahr 1937 war die Stadt unter japanischer Besetzung 6 Wochen lang zur Pluenderung frei gegeben. In einem unstoppbaren Blutrausch haben japanische Soldaten ueber 340 000 Leute auf jede nur erdenkliche Art getoetet, also gezielt eine ganze Stadt auszuloeschen versucht. Vergleichbar sind diese Greueltaten wohl nur noch mit dem Holocaust. Die restliche Bevoelkerung verdankt ihrem Ueberleben hauptsaechlich dem Schutz eines internationalen Kommitees, das von dem deutschen John Rabe, gefuehrt wurde. Seit dem 2. April ist uebrigens auch ein gleichnamiger Kinofilm erschienen mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, wird nun versucht, ihn als Schindler Asiens zu gedenken und ihm seinen verdienten Platz in den Geschichtsbuechern zuzusichern. Das krasse an der Sache ist, dass die japanische Regierung sich bis jetzt noch nicht offiziell entschuldigt hat (!!!). Kulturelle Differenzen hin und her, aber nur die Tatsache, dass man nicht sein Gesicht verlieren kann, entschuldigt dieses Verhalten nicht im Ansatz.
Es gibt in Nanjing jedenfalls eine riesige Gedenkstaette, mindestens 6 mal so gross wie unser Holocaust. Ich weiss nicht, wie ihr dazu steht, aber mich hat das leicht nachdenklich gemacht, wieso wir so lange fuer ein offizielles Denkmal brauchen, dass dann vergleichsweise klein und harmlos ausfaellt (obwohl mir klar ist, dass es nicht darum geht, wie "bombastisch" ein Mahnmal ausfaellt) und den Schrecken und Terror der damaligen Zeit nicht wirklich wiedergibt -
Etwas ungewohnt fuer einen Deutschen war die Tatsache, dass die Gedenkstaette durchaus in chinesichem Pathos gehalten war. So erklangen in manchen Hallen Heldenchoere etc., allerdings befanden Manu und ich, dass es durchaus angemessen war und wir beide, besonders Manu, sind tief bewegt aus der Gedenkstaette heraus gegangen. Bevor ich ein paar Bilder sprechen lasse, moechte ich noch zwei Dinge hervor heben: Zum einen gab es eine riesige Halle, die mit Sand gefuellt war, auf denen die Gebeine von unzaehligen Opfern zu sehen waren. Das war echt befremdlich und schockierend zugleich. In einer anderen Halle liefen auf riesigen Fernsehbildschirmen Interviews mit mittlerweile vergreisten japanischen Soldaten, die sich immer noch keiner Schuld bewusst sind.
Es wird langsam mal Zeit, ein kleines Resumee zu ziehen -
Auch wenn ich nicht davon ueberzeugt bin, dass ein Blog nicht sonderlich dafuer geeignet ist, sich ausgiebig ueber seine Gefuehle auszulassen, moechte ich doch an diesr Stelle mich der Welt offenbaren:
Es geht mir wahnsinnig gut und ich hoffe, dass zumondest ein kleiner Funke meiner Euphorie es auch ein paar Tausend Kilometer Richtung Westen schafft!
Heute war ich wieder mal im Auftrag unterwegs, die europaeische Kultur zu repraesentieren und habe fuer ein paar chinesische Freunde Spaghetti gekocht. Insgesamt waren wir zu siebt in einer Wohnung irgendwo in Shanghai, ganz weit weg von Touristen und Westlern, und trotz der Groesse der Gruppe habe ich zu meiner Zufriedenheit jeden Magen satt gekriegt -
Dannach haben wir UNO gespielt, worin ich ja dank ettlicher Italienurlaube mit Manu, Philip und Co. schon seit Jahren Experte bin. Auch heute konnte ich daher die ein oder andere Runde fuer mich entscheiden.
Ein paar kulturelle Unterschiede gab es dennoch: Junge Chinesen unter sich sind wahnsinnig laut, lachen und bloedeln staendig herum etc. Vor allem wirkt das Ganze fuer einen Westler unglaublich kindisch und unschuldig und auch wenn ich mit Leuten von 20 bis 28 Jahren an einem Tisch gesessen bin, war ich geneigt zu sagen: "Wie suess!".
Wieso: Erstens war kein Alkohol im Spiel - Ich kann mich nicht erinnern, seit meinem 16. Lebensjahr jemals so daemlich rumgebloedelt zu haben ohne nicht zumindest ein paar Bierchen intus ;) Zweitens waren die Scherze, die gerissen wurden, ganz unschuldiger Natur. Es ging nicht um Sex, Gewalt oder sonst was, nein, auch keine Auslaender- oder Naziwitze, sondern vielmehr: "Kommt ein Hase nach...", ihr wisst schon, was ich meine. Im 30 Sekundentakt wurde herzhaft gekichert, meist mit einer "Victorygeste" kombiniert (d.h. man macht ein Peace-Zeichen mit beiden Haenden, haelt diese neben dem Kopf und grinst, als waer man eine Mangafigur) und mit einem Laecheln auf den naechsten Joke gewartet -
Dann hab ich noch beim Karatetraining zugeschaut und da ist mir das erste Mal so richtig deutlich geworden, dass ich trotz all der Tiefphasen, die ich in Shanghai meist aufgrund von Einsamkeitsgefuehlen zweifellos hatte und sicher auch noch haben werde, ich doch unzaehlige chinesische und koreanische Freunde gefunden habe, fuer die paar Monate extrem viel am chinesischen Alltag teilnehmen, in die Lebensweise eintauchen und mich in die Kultur verlieben durfte, dass es eine reine Freude ist, nachts im Bett die Zeit revue passieren zu lassen.
Nach so viel "Offenbarerei" wieder zum Tagesgeschaeft: Ebenfalls eine reine Freude war es, gestern im chinesischen Fenrsehen live Hoennes stocksauer und Klinsi fett eingeschuechtert, ja geradezu veraengstigt zu sehen, und dazu noch die kichernden Kommentatoren auf chinesisch - Ok, der Arme, aber ich sag nur:
Ha Ho He, der Traum geht weiter!
Zum Abschluss noch ein Foto von mir und Julian, meinem "Germanistikstudenten" und gutem Freund, mit dem ich regelmaessig etwas unternehme und die Passanten meist nur verdutzt rueber schauen, weil da ein Westler und Chinese sich in fluessigem Deutsch unterhalten ;)
Achja, noch was... ihr duerft gerne meine Braeune bewundern ;)
Gestern wurde ich von meiner chinesischen quasi-Freundin mit in einen protestantischen Gottesdienst geschleppt, bzw. ich war auch sehr begierig darauf, einerseits weil mich der Vergleich zu Deutschland interessiert hat und zum anderen war der Vorabend wieder feucht froehlich, sodass mir etwas Laeuterung sicherlich nicht schlecht tun wuerde. Also abgesehen von etwas Uebernaechtigung allerbester Voraussetzungen -
Von aussen sah die Kirche architektonisch nicht grossartig anders aus, aber als ich sie von innen betrat, wurde mir schon klar, dass der Abend so einige Ueberraschungen bereit halten wuerde. Die Tatsache, dass anstatt Baenke nur Plastiksessel aufgestellt waren und die Orgel durch zwei Lautsprecherboxen ersetzt wurden, kann man wohl guten Gewissens auf das wohl vergleichbar kleine Budget der christlichen Kirche in China zurueck fuehren. Das restliche Ambiente war aehnlich "unkonventionell": Waehrend allmaehlich die ersten Kirchgaenger eintrudelten (die Messe sollte schliesslich mit gut 30 Minuten Verspaetung anfangen)kam aus den Boxen chinesische Pop-Balladen mit kirchlichen Texten aus den Boxen. Das darf man sich ungefaehr so vorstellen: Boygroupstimmen (und dazu noch chinesische), kitschige Pianountermalung und Frauenchoere im Hintergrund. Auf einem Beamer wurden die Liedernamen auf eine Leinwand projeziert, was ziemlich an eine Karaokebar erinnert hat, und in der Tat bestanden die meisten Lyrics nur aus dem Refraintitel und vielleicht noch ein bis zwei weiteren Zeilen, die bis zum Erbrechen auf 4 Minuten wiederholt werden. Trotzdem es Freitagabend war, wurde die Kirche ziemlich voll und auch einige Jugendliche waren am Start. Angefangen hat der Gottesdienst mit dem Chor, in dem auch meine Begleiterin mit von der Partie war. Insgesamt bestand er aus zwei Reihen von ungefaehr gut einem Dutzend 20-jaehrigen Maenner und Frauen, die mit einem Honigkuchen-Grinsen die Lieder gesungen haben, die vorhin beim Warten schon auf Repeat gelaufen sind. Das ganze war zwar sehr schoen und lieblich, allerdings mir auch etwas unangenehm, da ich in der zweiten Reihe sass, was bedeutet hat, dass der Chor in einem Abstand von weniger als einem Meter auf mich "eingesungen" hat und ich nicht anders konnte als still auf dem Boden zu gucken. Nach der 5. Wiederholung sollten wir dann aufstehen und waherend der 6. die rechte Hand gen Himmel heben. Ich konnte natuerlich wegen fehlender Sprachkenntnisse nicht mitsingen, habe aber als mit Abstand groesster im Saal ziemlich vielen hinter mir die Sicht geraubt. Langsam wurde mein Gesicht rot -
Der Pfarrer war der Beste. Super herzlich und alles, ziemlich jung noch und in einem Nike-Athletics Kapuzenpulli gekleidet (!!!), nunja, mich hats jetzt nicht grossartig gestoert. Die Predigt konnt ich eh nicht verstehen. Deswegen erhoffte ich mir, eine ruhige Kugel schieben zu koennen. Aber denkste, wenig spaeter wurden die Neuankoemmlinge aufgerufen, darunter ich auch, und gebten, doch aufzustehen. Ich hab das nicht wirklich gecheckt oder zumindest so getan als ob, da mir die Aufmerksamkeit durchaus unangenehm war. Als mir dann aber ein Chinese eine rote Papierrosse inklusive Heft als Betanleitung in die Hand gedrueckt hat, fuehlte ich mich gezwungen, mich kurz von der Bank - ich mein natuerlich Klappstuhl - zu erheben, worauf hin die ganze Gemeinde in jubelnden Applaus ausgebrochen ist (!!!). Dann wurde die Gruppe aufgeteilt, kein Plan wieso. Ich bin jedenfalls mit ca. 30 weiteren Leuten in einem Hinterzimmer mit Ventilator gelandet, wo wir eine Bibelstunde gehalten bekommen haben von einem jungen Chinesen mit schon fast aetzender Gute-Laune-Mentalitaet. Zuerst wurden ein paar Leute aufgefordert, sich vorzustellen und von ihren Beterfahrungen der letzten Zeit zu sprechen. Ich dachte mir: Wo bin ich denn hier gelandet - bei den anonymen Alkoholikern oder doch Scientology? Aber ich will jetzt nicht ungerecht sein, wenn man sich drauf einlaesst, dann war das alles schon nachvollziehbar... Die naechsten anderthalb Stunden wurde dann hardcore-maessig Bibel gelesen: Hier ein Psalm, dort ein Kapitel, und und und. Am Ende durften dann Freiwillige vor der Runde beten. Ob es um die bevorstehende Hochzeit der eigenen Mutter, Uninoten oder den Wunsch nach ploetzlichem Reichtum ging - Gott wuerde schon alles richten. Vielleicht etwas drastisch und sarkastisch formuliert, aber ganz selbstlos war die ganze Geschichte jedenfalls nicht. Abgerundet wurde das ganze dann noch mit einer Singstunde fuer die jungen Kirchgaenger, die nochmals die gleiche Playlist proben konnen. In allem also fast 3 Stundne Programm und auch wenn meine erhoffte "Karthasis" nicht eingetreten ist, so bin ich doch zumindest um eine interessante Erfahrung reicher.
Ich muss echt sagen, dass ich von der koreanischen Kultur vollauf fasziniert bin! Und zwar,
...Weil sie uns Westlern einerseits so fremdartig erscheint. Hoeflichkeit und Respekt sind die obersten Gebote. Wenn ich zum Beispiel Freundschaft mit einer aelteren Person schliessen moechte - sei der Altersunterschied auch nur ein oder zwei Jahre - so muss ich sie erstmal ein Jahr lang mit "Sie" und "Herr" anreden, ihr beim Essenstisch das Bierglas voll giessen, die Tuer aufhalten etc. bevor das ueberhaupt moeglich ist. Oder eine weitere Kuriositaet: Als Manu hier war und kurz in das Zimmer von meinem Mitbewohner rein gelukt hat, meinte er: "Die scheinen ja gerade Besuch zu haben!". Nein, die haben zwar das Bettlaken auf den Boden ausgefahren, aber nicht fuer einen Gast, sondern lediglich, weil sie es der "weichen" Matratze vorziehen (!).
...Weil ich doch andererseits so viele Gemeinsamkeiten vorfinde. Im Gegensatz zu den Chinesen (Achtung, Verallgemeinerung!) hier in Shanghai trinken die Koreaner auch viel Alkohol und machen ausgeassen Party. Gestern waren wir zum Beispiel in einer Bar und haben vier koreanische Maedels getroffen, die sich einfach einen Drink gegoennt haben. Fuer traditionelle Chinesen undenkbar a) ohne Mann und b) ueberhaupt in eine Bar zu gehen. Abgesehen davon gibt es guten koreanischen HipHop, wahnsinnig interessante Filme (Wer von euch kennt "Old Boy"?) und, und, und... Die schoensten und kuriosesten Cluberlebnisse waren ebenfalls fast ausschliesslich mit Koreanern. Letztens war ich zum Beispiel in einer westlichen Disko. Es war ziemlich leer, nur ein paar Studenten aus Ami-Land, Buerotypen aus Deutschland und unsere Gruppe war da. Allerdings war ein Tisch mit angeblichen "Chinesen" (oder wer kann von euch behaupten, Chinesen und Koreaner zielsicher auseinander zu halten - ich hab zumindest eine gute Quote) besetzt: zwei Typen und drei Frauen, die von der Erscheinung aussahen wie 16 - was bedeutet, dass sie im Endeffekt wohl in meinem Alter waren ;) Als ich spaeter ein wenig das Tanzbein geschwungen habe, merkte ich, wie ein Maedel aus der koreanischen Gruppe sich ab und an in meine Richtung naeherte, sehr subtil, aber doch merklich. Auf einmal nahm genau dieses Maedchen meine Hand in ihre Hand, also richtig krass, besonders weil das von ihr ausging (hallo, in Korea ist immer noch der Mann der Boss und so was wie Frauenbewegung und Emanzipation - Fehlanzeige!) und dazu noch, weil bei Koreanern Koerperkontakt im Allgemeinen Tabu und eigentlich nur Paaren vorbehalten ist. Was die Situation allerdings noch mysthischer gemacht hat, war, dass sie mich waehrenddessen nicht in die Augen geschaut hat, sondern mit ihrem Blick immer zur Seite oder nach unten ausgewichen ist (ein weiteres Zeichen von Hoeflichkeit, obwohl ein Westler das wohl eher als unhoeflich empfinden wuerde). Dann ging die Show weiter: Ich habe ausgelassen mit den Maedels getanzt und mit den Jungs getrunken, die Stimmung war richtig ausgelassen. Auf einmal kam eine ganz verhaltene Anfrage, ob wir nicht vielleicht ein Foto gemeinsam schiessen koenetnen. Das artete schliesslich in einer riesigen Session auf der Tanzflaeche aus, ich rechts und links mit einem Maedel unterm Arm, ich mit den beiden Typen, ich mit... jede nur moegliche Kombination wurde ausprobiert - die Koreaner/innen haben ihre ueblichen Foto-Posen abgezogen und sind nach jedem Foto in Jubelschreie ausgebrochen. An sich stehe ich ja wirklich nicht gerne im Mittelpunkt, aber das war echt einer der geilsten Ego-Boosts in meinem Leben! Geendet ist es genau so kurios, wie es angefangen hat. Nachdem das letzte Foto geschossen wurde, sagt mir ein Maedel, dass sie jetzt gehen wuerden, und bevor ich nur die Chance hatte, Tschuess zu sagen, geschweige denn nach einer Handynummer zu fragen, waren sie auch schon verschwunden. Und ich habe mich das erste Mal im Leben so richtig ausgenutzt gefuehlt ;)
Auch wenn die Finanzkrise an China nicht spurlos vorueber geht und hier die jungen Leute mit enormer Konkurrenz zu kaempfen haben, so merkt man als Westler doch kaum etwas davon. Im Gegenteil, hier habe ich zum ersten Mal gecheckt, wie viel gute Englischkenntnisse, Deutsch als Muttersprache und eine europaeische Universitaetsbildung doch wert sind -
Die meisten Expats, also Auslaender, die hier in Shanghai zum Arbeiten her gekommen sind, sind meist Wirtschaftsleute, Informatiker oder Ingeneure. Wer Westler ist und in diesen Branchen eine Ausbildung oder sogar Universitaetsstudium vorweisen kann, dem stehen hier fast alle Tueren offen. Meist bekommt man annaehernd Auslaendergehalt (womit man hier sehr dekadent leben kann), eine Wohnung gestellt und auch sonst den ein oder anderen Vorzug geboten, damit man in China gehalten werden kann und nicht gen Westen abwandert.
Allerdings kann man natuerlich nicht sein ganzes Leben hier planen: Man bleibt, so lange China einen will. Die meisten wissen das und geniessen die Zeit in vollen Zuegen: Partys, Frauen und Alkohol. Doch auch so manch einer findet hier die Frau fuer's Leben. So wie ich das mitbekomnen habe, leben die meisten Westler ziemlich in ihren Hochhausappartment-Getthos und bleiben unter sich. Dazu anfuegen muss ich, dass es in der Tat schwierig oder fast unmoeglich ist, sich hier vollstaendig zu integrieren, zumindest wenn man die 30 Jahre-Grenze schon hinter sich gelassen hat. Allerdings wenn man nur im Appartment hockt oder beim edel Franzosen essen geht, dann wirkt das nicht, als ob man sich sonderlich anstrengen wierde.
Womit wir bei einem anderen Punkt waeren: Die meisten der Expats kommen definitiv aus den Laendern Frankreich und Deutschland. Als deutscher hat man in jedem Fall ein Bonus allein vom Image her und als Franzose - na gut, die hatten hier mal ne Kolonie, anders kann ich mir das auch nicht erklaeren ;)
Da ich in einer ganz anderen Branche arbeiten will, sieht die Situation fuer mich natuerlich nicht ganz so rosig aus. Die Praktikumsplaetze in englischsprachigen Medien sind hier auch heiss begehrt und werden bevorzugt an Englisch-Muttersprachler vergeben -
Was dann aber noch bleibt, sind Taetigkeiten als Deutschlehrer oder Uebersetzungsjobs an Universitaeten oder einer der unzaehligen privaten Sprachschulen. Deutsch ist deshalb auch so beliebt, weil viele chinesische Studenten an eine deutsche Uni wollen und sich in China darauf vorbereiten.
Da ich wahrscheinlich den Sommer ueber eh arbeiten muss, dachte ich mir, dass ich anstatt in Babelsberg das nicht theoretisch auch in Peking oder Shanghai tun kann. Wenn es diesbezueglich was Neues gibt, werdet ihr es hier auf jeden Fall rechtzeitig erfahren.
Bis dann!
PS: Was ich ein wenig verschwiegen habe: Bei vielen englischsprachigen Jobs, besonders in der Kommunikationsbranche, wird fluessiges chinesisch voraus gesetzt - also bin ich letzte Woche zum Kiosk gegangen und meinte: Bitte zwei Tuben chinesisch, fuer 5 Yuan das Stueck - Man, bin ich heute wieder gut drauf ;)
Heute war ich seit halb sieben auf den Beinen und fuer unseren Dokumentationskurs mit der Kamera unterwegs. Nebenbei habe ich noch ein paar gelungene Fotos fuer meine Privatsammlung schiessen koennen:
Die Vorgeschichte: Ich warte seit geraumer Zeit auf meine Visakarte, die ich hier wahrscheinlich in einem Bankautomaten vergessen habe (aber Glueck im Unglueck, ist nichts passiert) und eigentlich jeden Tag ankommen muesste. Mein alternatives Konto ist momentan leer, bzw. habe ich ab morgen noch mal 50 Euro zur Ueberbrueckung drauf. In meinem Schreibtischfach liegt mein Bargeld: zwei Hundert-Yuan-Scheine, also etwas mehr als 20 Euro, womit man hier durchaus gut eine Zeit ueber die Runden kommt - es sei denn, man geht damit Party machen.
Genau das hatte ich gestern vor. Das Angebot hiess: All u can drink fuer 10 Euro. Ich dachte mir: "Alles klar, dann hab ich ja minus Taxifahrt und ein paar Eventualitaeten fuer morgen zur Ueberbrueckung locker noch genug uebrig!". Allerdings musste ich logischerweise beide Scheine mitnehmen, also alles, was ich in bar uebrig hatte, was bei mir schon die Alarmglocken hochgehen liess, aber nun gut... Man muss den Teufel ja nicht gleich an die Wand malen!
Bevor der Abend ueberhaupt los ging, hab ich mir beim Chinesen um die Ecke eine Magengrundlage verschafft (Reis mit Fleisch plus ein Bier: 1,50 Euro), dann beim Supermarkt noch ein Bier geholt (50 Cent) - damit keine Leerstellen enstehen ;) Um kurz vor 10 ging es dann ins Taxi (wieder 1 Euro) und dann in den All u can drink-Club (10 Euro). Spaeter bin ich noch mit nem Kumpel nachts durch Shanghai spazieren gegangen und hab waehrenddesssen ein Bierchen aus dem Supermarkt verzehrt (50 Cent). Dann sind wir schliesslich in einem weiteren Club gelandet, wo ich mir ebenfalls noch ein kleines Bier gegoennt habe (1,50 Euro). Dann wollte ich nach Hause und auf dem Weg zur Metro hat mich ein Mc Donalds angelaechelt (-> ein Fruehstucksburger fuer einen weiteren Euro). An der Metrostation angekommen musste ich dann voellig entkraeftet feststellen, dass die naechste Bahn erst wieder in einer guten Stunde faehrt. Da ich aber hundemuede und mit dem Nerven total am Ende war, bin ich in ein Taxi gestiegen, mit knapp 4 Euro in der Tasche. Mir war bewusst, dass das eventuell knapp werden wuerde, erst recht, wenn der Taxifahrer mich verarscht und einen Umweg faehrt. Trotzdem bin ich waehrnd der Taxifahrt eingeschlafen...
Meine Augen oeffneten sich gerade, als ich auf dem Taxometer knapp 4 Euro angezeigt stehen sehe! Panik, sofort anhalten lassen und hektisch meine Taschen nach Kohle durchsuchen (wobei ich 5 Cent auf dem Boden des Wagens verloren habe - Trinkgeld ;)). Es ging sich gerade so auf den letzten Cent aus. Ein Glueck war ich nicht weit von meinem Studentenheim entfernt, sodass ich den letzten Kilometer auch zu Fuss gehen konnte, auch wenn das Wetter umgewschwenkt hatte und ich mit meinem Shirt und der Weste viel zu luftig gekleidet war, aber nun gut, da musste ich halt durch. Auf dem nach Hause Weg hab ich nochmal alle Taschen durchkramt und fand meinen allerletzten Yuan, den ich sogleich in ein Fruehstueck investierte (Teigtasche fuer 10 Cent). So, nun war ich voellig pleite!
Realisiert habe ich das erst, als ich mir am Supermarkt ein Wasser holen wollte - scheisse! Zu hause im Kuehlschrank habe ich dann von meinem Zimmernachbar eine Eisteeflasche entdeckt, "Meine Rettung!", dache ich. Ein Glueck habe ich vor dem ersten Schluck noch gecheckt, dass da kein Eistee drin war, sondern irgendetwas Hochprozentiges... Bah!
Also bin ich durstig ins Bett gegangen und habe heute am naechsten Morgen einen Kochtopf mit Wasser kochen lassen (das Trinkwasser ist hier nicht nur ungeniesssbar, sondern auch hoechst gesundheitsgefaehrdend). Und jetzt warte ich schliesslich begierig darauf, dass das Wasser endlich etwas abkuehlt ;)
Sowohl meiner Moral als auch meiner Natur gemaess werde ich mich jedoch hueten, mir etwas Geld zu leihen, schliesslich habe ich mir mein Dilemma selbst eingebrockt. Fuer den Fall der Faelle habe ich aber immer noch elektronisches Geld auf meiner Mensakarte und kann natuerlich auch mein Konto fuer den einen Tag ueberziehen - also im Endeffekt alles halb so wild.
Und abgesehen davon, dass es etwas unvernuenftig war, gestern Feiern zu gehen... Meine Guete, das waren 20 Euro - so viel kostet ein Abend in Berlin allemal, und zwar ohne Taxi und "all u can drink"!
Vielleicht habe ich aber auch Glueck und es ist heute Post gekommen...
Erstmal vielen Dank an Manu fuer den interessanten und aufschlussreichen Blogeintrag und die wunderbaren Bilder!
Ich mach diesmal weiter mit einer kleinen thematischen Bilderstrecke. Hintergrund ist der Folgende: Nach mehreren Tagen sommerhaftem Wetter und Chillen im Park hat sich gestern der April aufs uebelste zurueck gemeldet, Hundewetter vom Feinsten! Mir ging es aehnlich melancholisch (aber durchaus nicht unangenehm)und ich hatte den Tag frei - also beschloss ich, mit meinem Rad eine Erkundungstour zu machen und die Stimmung mit adaequaten Bildern fest zu halten.
Da ich weder Sprachfuehrer noch Karte dabei hatte, bin ich meist einfach nur geradeaus gefahren. Und ganz egal wie lange man dies tut, das Haeusermeer aus Essensstaenden, Frisoerlaeden und Baustellen will und will kein Ende nehmen. Ich bin fast bis zum Hafen gekommen, als mich ein ziemlicher Regenschwall ueberraschte, was meiner Mission jedoch sehr zutraeglich war. Als ich schliesslich plitschnass nach Hause kam und draussen den Regen beobachtete, fuehlte sich mein warmes Bett trotz "Gefaengnis-Matratze" doppelt so kuschelig an. Ausserdem konnte ich nach getaner "Arbeit" ohne schlechtes Gewissen den Tag Tag sein lassen und mir einen Film reinziehen.
Genug gelabert, im Folgenden nun Shanghai weit ab von jeder Postkartenidylle (die Fotos koennen fuer sich sprechen und brauchen keinerlei Kommentar):
Muede sitze ich wieder zu Hause vor meinem PC und lasse die Erfahrungen der letzten drei Wochen revue passieren. Der Alltag steht bedrohlich routiniert vor der Tuer. Vorgestern wusste ich weder Datum, noch Wochentag, immer was neues, komisches, spannendes, bombastisches,- „was kommt als naechtes?!“
Rotzen, Party und „Hitler was a REAL man.“
Meine Entscheidung Fabi in Shanghai zu besuchen war spontan. Das billige Ticket (Lufthansa, 440 Euro, Last Minute) gab den Ausschlag. Und 6 Tage spaeter sass ich im Flieger. In Fankfurt wurde der Vogel wegen „technischer Probleme“ ausgetauscht. Komischerweise habe ich in den letzten Jahren eine latente Flugangst entwickelt, weshalb ich mir schon vor dem Verlassen Deutschlands nicht sicher war, ob die Reise unter einem guten Stern stehen wuerde. „Fängt ja schon gut an.“, dachte ich. Doch das tat sie: Nach einer herzlichen Begrüßung durch Fabi stieg ich müde und verkatert („was? Gleich drei Gläser? Na das ham wa gerne.“- Sorry, ich wollte der Stewerdess nur dauerndes Gerenne ersparen.) in den Transrapiet. Und so raste ich mit 470 Stundenkilometer gen SHANGHAI CITY:
Shanghai ist der Wahnsinn. Worte können es nicht beschreiben, Bilder nicht zeigen und Sprache nicht fassen: Man muss es erleben. Es gibt um die 2000 Wolkenkratzer und rund 18,5 Millionen Einwohner die anscheinend nie schlafen oder nicht essen. Überall ist Leben, ob Tag oder Nacht, es wird gebaut, Ladenschlusszeiten waren nicht vorhanden (was wir oft dankbar ausnutzten) und während der Rush Hour ist die U- Bahn schon fuer mäßig Dickere nicht benutzbar. Aber kein Problem: Eines der unendlich vielen Taxen fährt einen für einen Spottpreis überall hin. (Ich glaub ich krieg mehr Benzingeld bei Hallo Pizza). Die Luft ist schlecht, hupend rechts abbigen (so kann man sich den Schulterblick sparen), das größere Auto HAT Vorfahrt auch wenn es von links kommt, Fußgänger, für einen Autofahrer:“Was ist das?“ Auf dem Fahrrad singen alte Menschen laut für sich selbst vor sich hin, „Lalalala!“, mal wieder wird eine Chinaböllerkette gezündet (Polenböller sind ein Scheiß dagegen) „rattatatatatata!!“ Und schon wieder hört man, wie extrem geräuschvoll hochgezogen und herzhaft befreiend auf die Straße gespuckt wird,“rmftschtzsspsscht!!,- klatsch“, diesmal war es eine schick angezogene und etwas überschminkte Mitdreissigerin. Meine Bandwurmsätze- wie Shanghai.
Party:
Die Clubs sind geil!!! Man kann sich Drinks nicht nur für sich selbst leisten, die Mukke ist nur bedingt oestlich, sonst unser Style und die Maedchen entpuppten sich nach anfaenglicher Pseudodistanz als sehr gute Taenzerinnen, die mit nichts hinterm Berg halten;-) Allerdings habe ich auch erlebt, dass ich frisch auf die Tanzflaeche gehe, sondiere und langsam, nur minimal in die Richtung von drei sexy Ladies wippe. Die drei lachen verschaemt hinter vorgehaltener Hand und verlassen fluchtartig den Dancefloor. „Ist mein neues Designerhemd wirklich so haesslich?“ Doch auch schon maessig motiviertes Tanzen wird mit anerkennendem Klatschen der Maenner quittiert. -Das gibt Selbsvertrauen! Allerdings geht es auf die Oberschenkel, wenn man dauernd mit Maedchen tanzt, die ein bis zwei Koepfe kleiner sind. Aber dafuer gibt es ja die:
Massage.
Um es von vornherein zu sagen: Nein wir haben uns nie eine Massage mit „Happy End“ genommen. Nicht dass wir nie in Versuchung waren, aber sowohl bei Fabi in der Uni, als auch bei mir an den Abenden lief was. Wir waren also nicht verzweifelt, im Gegenteil. Natuerlich spielt man dennoch mit dem Gedanken, wenn man Hacke ist sogar sehr ernst. Aber China als Land des Menschenhandels, die Buerde des Sextouristen, das schamlose Ausnutzen der schwachen Waehrung war bei mir immer im Hinterkopf. „Wieso? Fuer die ist das doch viel Geld. In gewisser Hinsicht hilft man denen doch sogar und sie sah geil aus.“-“Fick dich selbst!“ Das ist meine Meinung.
Massagen werden an jeder Ecke angeboten. Es sind sozusagen „Massagen to go“ und kosten zwischen 5 und 7 Euro die Stunde. Manchmal muss man sich hardcore zusammen reissen: der obere Brusbereich bei den Achseln und die Oberschenkel sind kitzlich. Die Masseurinnen fanden das auch lustig- Chinesen machen da wahrscheiunlich nicht so ein Theater. Besonders genossen habe ich den Teil der Handmassage.
Vor dem Flug nahm ich dann mal eine teurere: Eine „Hong Kong Massage“. Halb so verrucht wie sie klingt, aber doppelt so entspannend und dreifach so sexy! Und das nicht nur weil meine Olle wirklich heiss war, sondern weil ein grosser Teil mit den nackten Füssen abmassiert wird. Sie vermindert ihr Gewicht dadurch, dass sie sich an dafuer ueber der Liege befestigten Stangen festhaelt. Das war ein echtes Erlebnis.
„Hitler was a REAL man.“
Beeindruckend noch zum Abschluss ist die unkritische Sicht der Asiaten (unser extrem cooler, netter und sehr trinkfester suedkoreanischer Zimmergenosse O z.B.) ueber Hitler. Er waere halt ein krasser Eroberer gewesen. Er haette es durch Disziplien und Eifer weit gebracht. Opfer muesse jeder bringen. In einem Restaurant war ein Hakenkreuz an die Wand getaggt und ich wurde ab und zu als ich sagte:“Woua sche degoa.“ (Ich komme aus Deutschland.), mit einem lauten „Heil Hitler!“ begruesst. Tausend Leute um mich rum nahmen keine Notiz. Sie waren mit der Auswahl an der Fleischtheke beschaeftigt. Mir war es jedoch verstaendlicherweise extrem unangenehm. Der Gruessende machte diese Geste jedoch nicht aus Verarsche oder Beschuldigung, sondern einfach als ehrliche Bekundung seines Respekts vor einem Deutschen. Insgesamt ist mir dies drei mal passiert... Schon verrueckt!
China, ein spannendes Land:
Ich bin nicht unkritisch. Um die politische Situation ist es schlecht bestellt. Zensur, Menschenrechtsverletzungen und Sozialschere sind verheerend und sollten nicht ausgeblendet werden. Doch das war hier nicht mein Ansatz. China ist mit weitem Abstand das beeindruckenste Land, was ich besucht habe. Und ich habe schon ein paar gesehen. Grade mit meiner Vorerfahrung in Chengdu 2002, wurde ich nicht komplett ins kalte Wasser gestossen und konnte diese Zeit in vollen Zuegen geniessen. Dass Fabi schon integriert war und wir mit O noch einen Koreaner „next door“ hatten, eroeffnete mir eine sehr lebensnahe Erfahrung. Dafuer danke ich Fabian sehr. Die Chinesen sind extrem offen, interessiert, nett und lebensfroh. Dies sind meine schoensten Bilder. Ich hoffe, ich kann bald wieder zurueck!
Manuel Muehlbauer
Chinesische Kleinkinder sind ja ohnehin schon atemberaubend suess, aber dann noch Zwillinge, meine Guete!
Foto-Shooting am Westsee in Hangzhou... Das Laecheln wirkt jedoch etwas gezwungen - aber professionell!
Da kann einem schon das Wasser im Mund zusammen laufen:
Finanzkrise hin oder her - aber wer wird denn gleich...?
Wenn es mal schneller gehen muss - chinesischen Babys wird es meist gestattet, auf offener Strasse ihrem Beduerfnis nachzugehen. Bei ausgewachsenen Chinesen haben wir diese Art von Hose allerdings noch nicht beobachten koennen ;)
Wow, was fuer ein Foto - wie ein Sechser im Lotto! Manu ist das Unmoegliche gelungen: Ein Baby mit Mutter in voller Aktion!