Samstag, 28. Februar 2009

Nichts für schwache Gemüter!

Mittlerweile war ich zwar erst drei mal am Feiern in Shanghai, aber dafür exzessiv: Ein Abend endete mit einem Katerfrühstück in der Mensa, ein anderer began so:Tagsüber war ich mit Nasr unterwegs, d.h. ich konnte ihm beim Turboshopping zuschaun ;)
Abends ging es dann zum "all you can eat" und "all you can drink"-Japaner, wo diese Fotos entstanden sind. Es gab unter anderem Sushi, aber auch so exotische Sachen wie Tauben-Eier, die übrigens sehr lecker geschmeckt haben. Das, was ich auf den Fotos esse, soll nach chinessichen Glauben meine Sehstärke verbessern... Man kann übrigens demnach auch seinen Intelligenzquotienten erweitern... Aber so mutig war ich dann doch nicht!

Donnerstag, 26. Februar 2009

Freie Medien für freie Bürger

Viele von euch wollen sicherlich wissen, wie das "zensierte" Internet in China denn so aussieht. Eigentlich ist das ja aus europäischer Sicht schwer vorzustellen, gerade im Web 2.0-Zeitalter...

Um erstmal mit ein paar Mythen aufzuräumen: Es ist nicht so, dass man hier kein Zugang auf Wikipedia hat oder dass die BBC-Homepage geblockt ist. Also man bekommt nicht sofort mit, dass bestimmte Seiten zensiert werden.

Das ist allerdings gang und gebe, und zwar agiert die chinesische Regierung in dem Glauben, im Interesse des Volkes zu handeln und dieses vor bestimmten Inhalten schützen zu müssen. In anderen Worten: Das Volk wird bevormundet.

Wie sieht das nun genau aus? Ganz einfach, bestimmte Webseiten kann man einfach nicht aufrufen, es kommt immer eine Fehlermeldung. Dazu gehören zum Einen pornografische Inhalte, d.h. die ganzen Porno-Portale sind hier geblockt, um die einheimische Jugend zu schützen. Zum Anderen werden auch bestimmte politische Inhalte zensiert, nämlich die, die "vermeintlich" feindlich gegen das chinesische Volk, ihre Kultur etc. gerichtet sind (aus Sicht der Regierung). Meist trifft es Weblogs, die im Sinne einer Kritik- und Kontrollfunktion über gesellschaftliche Misstände berichten. Dieser Blog wird wohl jedoch aufgrund der geringen Reichweite eher uninteressant für die chinesische Zensurbehörde sein ;)

Nur als kleine Anmerkung: Im Westen wird ja immer auf die fehlende Meinungsfreiheit in China geschimpft und die eigenen freien Medien werden als das non-plus ultra dargestellt. Meiner Meinung nach gibt es keine freien Medien (und kann es auch niemals geben), die Mechanismen, von denen die Medien gelenkt werden, sind einfach andere. Während im chinesischen Mediensystem Zeitung und Rundfunk der Regierung unterstellt sind und daher auch mehr oder weniger von deren Machtinteressen geleitet werden, sind unsere Medien (mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Modells) von der Quote abhängig und daher werden sie teilweise in extremer Weise von wirtschaftlichen Interessen geleitet, siehe das Programm @ RTL, ProSieben und Konsorten.
Und es gibt natürlich auch massive Verflechtungen zwischen Medien und Politik. Das kann sich so drastisch äußern wie in Italien mit Berlusconi als Medienmogul, aber natürlich erscheint dieser Misstand nicht immer so offensichtlich. Ganz simples Beispiel aus der Luft gegriffen: Heute dauert ein Tagesschau- Beitrag nur noch ein Zehntel im Vergleich zu früher, damals gab es O-Töne von Politikern, die alleine so lange gedauert haben wie ein heutiger Beitrag insgesamt. Da konne man sicher wesentlich tiefgehender berichten als es heute möglich ist. Und da dies in der Politik bekannt ist, beeinflusst das natürlich auch die Reden im Bundestag, die journalistengerecht mir Füllphrasen gespickt sind, perfekt um es als Zitat einzubauen... (Natürlich enorm vereinfahct dargestellt!)
Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Während in China allgemein bekannt ist, dass die Medien der Partei unterstellt sind, wird man vielleicht als Leser bestimmte kontroverse Nachrichten von vorneherein kritischer betrachten. Da aber im westlichen System die Abhängigkeiten nicht wirklich transparent sind (es sei denn, man studiert Publizistik, hehe), besitzen die Medien eine wesentlich höhere Glaubwürdigkeit. D.h das, was in der Tagesschau ausgestrahlt wird, ist die Wahrheit. Diese Illusion halte ich für sehr gefährlig!

So, ich habe mich hoffentlich verständlich ausgedrückt. Keine Zeit mehr zum nochmal drüber Lesen, ich treff mich nämlich jetzt mit Nasr, der gerade in der Stadt ist.

Machts gut

Fabian

Filmliste

Servus,

Wahrscheinlich nur für ein paar wenige von Interesse:

Hier gibt es an fast jeder Ecke einen Shop mit CDs und DVDs für ein bis zwei Euro, die teilweise sehr echt wirken. Die chinesen besinnen sich halt gut auf ihre Stärke: dem Kopieren ;)

Im Folgenden eine Liste mit Filmen, die ich gekauft habe. Falls ihr Anregungen habt oder was mitgebracht bekommen wollt, dann schreibt einfach einen Kommentar. Ich werde die Liste regelmäßig updaten... d.h. der Beitrag wird irgendwann ganz weit nach unten verschwinden, kann aber unter der Kategorie "Film"auf die Schnelle gefunden werden.

Anmerkung: Englische und französische Filmnamen wurden übernommen, alle anderen in der deutschen Übersetzung aufgelistet.

Abel Ferrara: Not guilty - Rafi Pitts
A better tomorow 1 - John Woo
Andrej Rublev - Andrej Tarkovsky
Ashes of time (Redux) - Wong Kar Wei
Auch Zwerge haben klein angefangen - Werner Herzog
Banlieue 13 - Pierre Morel
Che (1.Teil) - Steven Soderbergh
Das Meer war ruhig - Takeshi Kitano
Das siebente Siegel - Ingmar Bergmann
Das Tagebuch einer Kammerzofe - Luis Bunuel
Der amerikanische Soldat - Rainer Werner Fassbinder
Der Herbst der Familie Koyahagawa - Yasujiro Ozu
Die bitteren Traenen der Petra von Kant - Rainer Werner Fassbinder
Die dritte Generation - Rainer Werner Fassbinder
Die Frau mit den roten Stiefeln - Juan Luis Bunuel
Die Klavierspielerin - Michael Haneke
Die Milchstraße - Luis Bunuel
Dressed to kill - Brian de Palma
Faustrecht der Freiheit - Rainer Werner Fassbinder
Fontane Effi Briest - Rainer Werner Fassbinder
Früher Frühling - Yasujiro Ozu
Go Go Tales - Abel Ferrara
Hiroshima mon amour - Alain Resnais
Lancelot du lac - Robert Bresson
L´armée des ombres - Jean-Pierre Melville
Le deuxieme souffle - Jean-Pierre Melville
Le diable probablement - Robert Bresson
Little Ceasar - Mervyn LeRoy
Lola - Rainer Werner Fassbinder
Mary - Abel Ferrara
Ms. 45 - Abel Ferrara
Nekromantik 1 - Jörg Buttgereit
Nekromantik 2 - Jörg Buttgereit
Nikita - Luc Besson
Prénom Carmen - Jean-Luc Godard
Revanche - Götz Spielmann
Rule number one - Kelvin Tong
Satansbraten - Rainer Werner Fassbinder
Simon in der Wüste - Luis Bunuel
So finster die Nacht - Tomas Alfredson
Sommerblüten - Yasujiro Ozu
Spätherbst - Yasujiro Ozu
Straw Dogs - Sam Peckinpah
The last temptation of christ - Martin Scorsese
The Killer - John Woo
The Walker - Paul Schrader
Tôkyô boshoku (keine deutscher Titel vorhanden) - Yasujiro Ozu
Un condamné á mort s´est échappé - Robert Bresson
Wilde Erdbeeren - Ingmar Bergmann

Sonntag, 22. Februar 2009

Die Manieren der Chinesen

Gestern habe ich mich für die Kochkünste meines Mitbewohners revanchiert und für ihn und seine Freundin eine Bolognese gezaubert, die es in sich hatte. Den beiden hat es auch gut gescheckt und so kamen wir dann bei italienischem Essen und "koreanischem Whisky" ins Gespräch. Als ich nach den Unterschieden zwischen Koreanen und Chinesen gefragt habe, lautete die Antwort: "Only little difference." und dann als er gerade schmatzend ein paar Nudeln hochschlürfte, setzte er noch hinzu: "But the chinese don´t have manners!".
Ja, ja, hier kann man täglich erleben, wie die proletarische Revolution ausschaut: Schmatzen, Rülpsen und Spucken ist standard. In den Straßen ist das Geräusch hochgezogener Rotze allgegenwärtig, doch auch in geschlossenen Räumen kann es passieren, dass die Wal Mart-Verkäuferin, die einem gerade eben noch einen DVD-Player angepriesen hat, sich kurz umdreht und in den Papierkorb spuckt.
Die Tischmanieren mögen am Anfang noch etwas Erleichterung bedeuten, von wegen "Cool, ich kann mich ohne schlehctes Gewissen voll gehen lassen und bin trotzdem noch der manierlichste im Raum", aber mittlerweile... Dennoch: Bei all den Ferkeleien gilt es als äüßerst unhöflich, sich bei Tisch die Nase zu putzen, d.h. man sollte nach Möglichkeit dazu den Raum verlassen. Andere Länder, andere Sitten...
Allerdings muss dazu gesagt werden, dass Shanghai äußerst westlich ist und gerade die Jugend sich eher nach unserem Maßstab verhält. Also in der Mensa würde ich sicherlich auch komisch angeguckt werden, wenn ich fett rumrülpsen würde... was mich aber trotzdem nicht davon abhält, genau das zu tun (kleiner Scherz am Rande).

Machts gut, beim nächsten Mal melde ich mich wieder ein bisschen ausführlicher und dann auch mit Fotos...

Fabian

PS: Mir gehts nach wie vor sehr gut, immer noch euphorisch, kein Heimweh.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Kung Fu im Vorlesungssaal

Hi da draußen,

Das Semester hat hier angefangen und mein erster Eindruck ist: Wow! Themen, die mich interessieren (investigativer Journalismus, Filmdokumentationen, chinesische Philosophie usw) mit äu0erst netten Professoren in kleiner Runde (wir sind 20 Leute und meist nicht vollzählig, weil der ein oder andere oftmals "krank" ist) diskutieren. Das ist quasi 180 Grad andere RIchtung im Gegensatz zur "Ich sitz mit 800 gelangweilten Studenten im Ausimax"-Uni Wien. Heute folgte die zweite Hälfte unseres "Chinese Culture"-Kurses ganz dem Motto: Nur in einem gesunden Körper ruht auch ein gesunder Geist. Die äußerst relaxte, ich kann mich gar nicht genug wiederholen, freundlichste Person, die man sich nur vorstellen kann, unsere Professorin, fängt an, uns Kung Fu beizubringen. Also auf gut Deutsch gesagt: Wie man jemanden so richtig auf die Fresse haut und selber Heil aus der Sache rauskommt. Und es belebt Geist und Seele ;)

Heute habe ich auch das erste Mal "hot pot" gegessen. Das kommt aus dem Norden Chinas bzw. der Mongolei. Das Prinzip ist einfach: Man bekommt eine Schüssel vorgesetzt, den "pot", der mit Wasser und vielen aromabringenden Dingen (ich kann mich leider nicht präziser ausdrücken, aber vielleicht erklärt sich das ja aus dem folgenden Bild) gefüllt ist und unter einer Gasflamme erhitzt wird. Wenn das Süppchen kocht, wirft man zu erst das Fleisch und dann nach einander in beliebiger Reihenfolge alles mögliche Gemüse (also wir hatten neben Rindfleisch und Schaf: Spinat, Algen, Tofu, Bohnenzeugs, Grünzeugs, so Art Pilze, Kohl und und und) rein, wartet kurz bis es durch ist und tupft es dann in eine Soße, die jeder einzeln vor sich stehen hat, um es dann zu verzehren. Mir fehlen die Worte! Als Abshcluss kann man dann das Süppchen selber noch essen, was natürlich den Aroma all der Zutaten angenomen hat und dem ganzen nochmal die Krone aufsetzt.
In kurz: Das ganze funktioniert so ähnlich wie Fondue. Aber Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte:
Übrigens: Der ganze Spaß hat ganze 5 Euro gekostet (mit Getränk) und ist damit - obwohl es hier eher zu den teureren Essen zählt - gleichauf mit dem Mensapreis an der Uni Wien.

Abschließend noch ein Bild vom Campus:


Machts gut!

Montag, 16. Februar 2009

Der Chinese in mir

Hallo da draußen,

Ich gebe euch mal ein paar Einblicke in meine Butze:

Mein Zimmer ist recht spartanisch und unspektakulär, aber funktional allemal: Schreibtisch, Bett und Schrank. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich das:


Das Wohnzimmer ist recht geräumig und beinhaltet auch einen Fernseher mit DVD-Player. Hinter den Vorhängen ist eine Art Wintergarten, wo wir die Wäsche aufhängen können (d.h. ich habe meinen ersten Waschgang bis jetzt noch heraus zögern können). Die Küche ist auch vollkommen ok. Waschmaschine inklusive, allerdings scheint man in China nur mit kaltem Wasserzu waschen, was bei den Mädels hier schon für Panik gesorgt hat. Ich bin mir nicht ganz sicher ob der Konsequenzen daraus...

Der Außenblick von der Straße: In einem der Häuser wohne ich im achten Stock. Die Zahl acht besitzt übrigens in der chinesischen Mythologie eine ganz besondere, heilige Bedeutung.Von der Wohnanlage sieht man auch diese hochmodernen twin-tower. Als ich das Foto schoss, wusste ich noch nicht, dass die zu der Fudan Uni gehören. Sick, oder? Heute war ich auf dem Campus und bin mal dort reingeschlendert und bin mit dem Fahrstuhl in den höchsten, d.h. 30. Stock gefahren. Da bin ich dann in der Chefetage gelandet, Büros wie man sie sich von Staranwälten oder Wall-Street Brokern vorstellt. Der Blick über Shanghai war phänomenal, aber leider hatte ich meine Kamera nicht dabei. Außerdem hab ich mich etwas unbehaglich gefühlt, dass ich sofort von einem uniformierten Chinesen rausgeschmissen würde. Der ganze Campus wird übrigens bewacht, man sieht überall Sicherheitsservice.

Beim Gespräch mit einer Chinesin vor ein paar Tagen wurde mir gesagt, dass - wenn ich nicht so eine überaus westliche "Langnase" hätte - ich durchaus auch als Chinese durchgehen könne. So habe ich das Ganze noch nicht betrachtet, vor allem weil ich so gut wie jedem Chinesen mindestens mit einer Kopflänge überrage, aber an sich: Meine Haut ist momentan etwas "gelblich" und meine Augen durchaus etwas "schlitzig".
Und auch charakterlich bin ich den Chinesen sehr nahe. Während ich bei euch konstant darauf hingewiesen werde, mich nicht für alles zu entschuldigen oder mich für Selbstverständlichkeiten zu bedanken, kann ich hier meinem Harmoniebefürnis vollkommen nachgehen: Höflichkeiten austauschen, Komplimente machen und vor allem eine ganze Menge Lächeln.

So, dann bis die Tage,

Fabian

Samstag, 14. Februar 2009

Ha Ho He, Hertha BSC!

Heute wollte ich mir schön am Abend Hertha gegen Bayern im Fernsehen reinziehen. Ihr habt schon richtig gelesen, denn hier im chinesischen Fernsehen wird jeweils ein Spiel live gezeigt. Nun ist leider mein Fernseher kaputt (das kommt öfters vor, dass elektrische Geräte zusammen brechen, aber ein Anruf an die Rezeption genügt, um das zu regeln) und ich habe mich schon mit einem live Ticker im Internet abgefunden. Als es dort dann aber 1:0 für Hertha stand, konnt ich mich nicht mehr halten, hab kurz nachrecherchiert und mir im Internet ein Programm runtergeladen und war zur zweiten Halbzeit live dabei - dafür muss man übrigens nicht in Shanghai sitzen ;) Jetzt laufen die Zusammenfassungen der anderen Spiele; dafür habe ich aber kein Nerv mehr, schließlich ist es hier schon fast halb zwei in der Nacht.

Schönes Wochenende wünsch ich euch!

Freitag, 13. Februar 2009

Erste Impressionen

Eine Haupteinkaufsstraße in der Innenstadt. Das Foto habe ich unter der Woche aufgenommen, am Wochenende soll es so voll sein, dass man kaum vorwärts kommt.


Das ist der Oriental Pearl Tower, der direkt am Jangtse-Fluss steht. Man sieht schon leicht die milchige Brühe - wenn ihr Fotos von Shanghai seht, auf denen blauer Himmel zu sehen ist, dann war da jemand mit Photoshop am Werk! Das wirkt alles ziemlich trüb und versmogt, allerdings hatten wir gesten und vorgestern an die 23 Grad , das war duchaus Sommer-Feeling. Vor allem, weil durch die Luftfeuchtigkeit das alles noch viel wärmer und schwüler wirkt.

Das ist der Blick vom Bund auf einen Teil der Skyline. Nachts wirkt alles noch um einiges spektakulärer. Und wie man sieht, haben sich die Werbeleute in Shanghai eine ganz besondere Maßnahme einfallen lassen. Von wegen Kommunismus - hier läuft sogar im Fahrstuhl vom Studentenheim konstant ein Bildschirm mit Werbung.


So long!

Donnerstag, 12. Februar 2009

Erste Lebenszeichen

Ni hao meine Freunde der Sonne,


Nun bin ich schon den dritten Tag in Shanghai, habe aber vom Gefühl her mindestens so viel erlebt wie in den letzten drei Monaten. Am letzten Morgen in Berlin ließ die Nervosität überraschenderweise immer noch auf sich warten. Ich aß nur schnell zwei Nutella-Toasts und fuhr dann mit meinen Eltern nach Tegel. Dort empfahl mir mein Vater nachdrücklich, etwas Verpflegung für den Flug mitzunehmen. Da ich jedoch morgens nie Appetit verspüre und außerdem auf das „leckere“ Flugzeugessen spekulierte, lehnte ich guten Gewissens ab. Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber sei es im Zug oder im Flugzeug: Auf Reisen schmeckt mir das Essen immer doppelt so gut.


Also ging es auf nach London. Zwei Stunden Flug, eine Cola und leider nur eine mickrige Tüte Studentenfutter später musste ich mir in Heathrow den Weg zu meinem Terminal bahnen, oder besser gesagt bahnen lassen, denn ein Zug erledigte das für mich.


Dort traf ich dann auf drei Salzburger, die dasselbe Austauschprogramm absolvieren wie ich. Der Flug nach Shanghai verlief insgesamt ziemlich unspektakulär. Da die Crew unseren Jetlag vorbeugen wollten, wurde schon am frühen Nachmittag britischer Zeit auf Nachtbeleuchtung umgeschaltet. Beim Lunch entschied ich mich übrigens für die chinesische Variante, zum Frühstück wählte ich jedoch englisch. In der Erwartung, etwas Brötchen und Marmelade zu ergattern, bekam ich dann das Frühstück etwas britischer, als mir lieb war: Am frühen Morgen schon gab es Würstchen, gebratene Tomaten, Champignons, ein Omlette und eine Scheibe Bacon – alles triefend in einer riesigen Fettlache und mit Ketchup serviert... Halt andere Länder, andere Sitten.


Bevor ich jedoch von Shanghai zu erzählen beginne, möchte ich meine Eindrücke erst einmal ordnen. Nur so viel vorweg: Es geht mir gut, ich reite auf einer Welle voll Euphorie und bin erstaunt, dass mich noch kein panischer Kulturschock heimgesucht hat.


Von eine kleine Anekdote möchte ich jedoch noch berichten. Heute Mittag machte ich mich auf, um neues Guthaben für mein chinesisches Handy zu organisieren. Mein Anliegen war recht dringend, da ich wegen der Miete mit meiner Bank sprechen musste. Von der Rezeption meines Studentenheims wurde ich erstmal um die Ecke zum 24/7 Supermarkt geschickt. Dort gab man mir jedoch nur ein Kopfschütteln, deshalb ging ich weiter zum Wal-Mart, welches in einem riesigen Einkaufsviertel etwa 20 Minuten von meiner Bleibe liegt. Auch dort erstmal trotz wildester Körpersprache nur Unverständnis. Schließlich stand ich am Customer Service, wo ein Chinese, etwa Anfang 30, neben mir in der Schlange stand und von meinem Problem mitbekommen hat. Außerdem konnte er ziemlich gut Englisch, was die Sache ziemlich erleichtert hat. Nach längerer Diskussion mit einer Mitarbeiterin von Wal-Mart, bat er mich, ihn (d.h. Er war mit seiner kleinen Tochter und alten Mutter unterwegs) zu folgen, anscheinend müsse ich woanders mein Guthaben holen.


Auf dem Weg zu einem kleinen „Handy-Shop“ - nach westlichem Maßstab wohl eher als Schuppen zu bezeichnen – kamen wir in ein äußerst nettes Gespräch. Der Spießroutenlauf um mein Guthaben ging nun in die zweite Runde: endlose Telefonate, wilde Diskussionen, meine Simkarte wurde von Handy zu Handy gereicht etc. Ich fragte mich eigentlich nur: „Wenn selbst solch eine Lapalie so zur Tortur wird, was soll dann ...“. Außerdem verstrich die Zeit, die kleine Tochter von ihm wurde langsam ungeduldig und mir war es zudem zunehmend unangenehm, dass ich die drei so sehr aufhielt, insgesamt sicherlich schon eine halbe Stunde. Aber dagegen ansprechen half gar nichts, mein „Freund“ hat nicht locker gelassen, bis mein „Problem“ schließlich gelöst war.


Dankbar hielt ich nun mein aufgeladenes Handy in meinen Händen. Doch wie konnte ich mich dafür bedanken? Nun, da ich gerade bei Wal-Mart mir zwei recht lecker aussehende Törtchen geholt hatte, bot ich der kleinen Chinesin auf gut Glück eins an. Es stellte sich übrigens heraus, dass sie auf die Dinger total abfährt und ihr Vater eben selbst schon zwei für sie geholt hat, also was für ein Glücksgriff (Übrigens kann ich ihr Urteil nur bestätigen, sehr lecker)! Zum Abschluss waren wir also alle glücklich und zufrieden. Mein Helfer bot mir schließlich noch seine Visitenkarte an, wo ich dann in fetten Lettern lesen konnte: DHL – ihr wisst schon, der deutsche Paketservice – und wir haben nochmal eine Runde gelacht auf die Globalisierung: Die deutsche Wirtschaft ist hier überaus omnipräsent ;)


Übrigens, mein Mitbewohner ist Koreaner und wahrscheinlich so, wie man sich einen Koreaner vorstellt: äußerst ruhig, höflich, zuvorkommend, bescheiden und außerdem ein guter Koch, wie ich gerade herausgefunden habe. Nur konnte ich in seinem Curry das Fleisch nicht ganz zuordnen, habe aber einen üblen Verdacht: Ob so wohl Hundefleisch schmecken mag?


Bis die Tage und ich wünsche euch eine gute Zeit!


Nachtrag: Ich hab gerade eben nochmal bei einer chinesischen Freundin wegen dem Essen nachgefragt, die meinte nur: „Yeah, yeah, the Koreans love dog!“.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Eine kleine Einführung

So, ich habe jetzt endlich ein Apartment gefunden, und zwar in einer Art internationalem Studentenheim ganz in der Nähe von meiner Uni. Dort teile ich mir dann das Bad (und wahrscheinlich auch eine Kochnische) mit zwei oder drei anderen Mitbewohnern.
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich in einem sehr interessanten Buch (oder war es dieses hier?) von der Theorie gelesen, dass Weltstädte nach einem gewissen Zeitabschnitt sich nach Westen verlagern. In der Antike waren die kulturellen und geistigen Zentren chronologisch gesehen Alexandria, Konstaninopel, Athen und Rom. Von London ging es über den Teich nach New York hin zu Chicago. Letzte Station ist wohl Los Angeles oder genauer Hollywood, wo seit Jahrzehnten unsere Traumwelten produziert werden. Wenn man das jetzt weiterspinnt, kommt man darauf, dass jetzt wohl Shanghai an der Reihe ist.
Mit über 18 Millionen Einwohnern bildet es das wirtschaftliche Zentrum Chinas. Flächenmäßig ist Shanghai doppelt so groß wie das Saarland und von der nördlichen bis zur südlichen Grenze muss man insgesamt 120 Kilometer überwinden. Jedoch konzentriert sich das eigentliche Stadtgebiet auf den inneren Bund, wo auch das Bankenviertel und das französische Viertel beheimatet sind. Der Rest erstreckt sich darum wie ein riesiges ländliches Siedlungsgebiet. In Shanghai mündet der Yangtse, der längste Fluss Chinas, in den Pazifischen Ozean. Die Stadt liegt mitten im Delta des Flusses, daher sieht die Landschaft sehr niederländisch aus, also sehr flach und so.
Der Hafen von Shanghai ist der drittgrößte der Welt (wenn man nur den Gesamtumschlag betrachtet, sogar der größte). Außerdem steht hier das Shanghai World Financial Center, dass mit einer Höher von 492 Metern das höchste Gebäude in China und das dritthöchste der Welt (übrigens besitzt es die höchste Aussichtsplattfor der Welt - vor 474 Metern Höhe kann einem sicher ganz schön schlecht werden). Weitaus bekannter als Sehenswürdigkeit ist wohl der Oriental Pearl Tower, der mit gutem Willen ein kleines bisschen unserem Fernsehturm ähnelt. Ich freue mich schon wahnsinnig auf Shanghai by night, da soll die Skyline wohl am schönsten zur Geltung kommen.
Allerdings sagen viele Chinesen über Shanghai, dass es eine sehr westliche Stadt ohne Historie und Kultur ist und dass die Leute unfreundlich und stets in Eile sind. Auf jeden Fall ist Shanghai eine Stadt der Superlative. Mal sehen, ob ich mein Wikipedia-Wissen in ein paar Wochen bestätigen kann oder zurücknehmen muss.

So long!

Montag, 2. Februar 2009

Langsam wird´s ernst!

Wie ich in den letzten Tagen feststellen konnte, ist der Wohnungsmarkt in Shanghai sehr lebhaft. Ich habe zwar immer noch keine feste Bleibe, aber dafür ein paar gute Alternativen und mache mir deswegen auch keinen großen Kopf mehr. Wo, wie und mit wem ich denn nun genau wohnen werde, darüber gibt´s in ein paar Tagen mehr... hoffentlich!
Die letzten fünf Wochen war ich ja nicht in Wien, sondern in Berlin und das hat einen ganz simplen Grund: Ich absolviere gerade mein erstes Redaktionspraktikum beim Radiosender Fritz. Dort muss ich dann rausgehen und für Umfragen Leute mit dem Mikrofon nerven (bei Schüler und Touristen kann das durchaus Spaß machen - bei Studenten hingegen braucht man schon eine sehr dicke Haut), Interviewpartner vermitteln und alles tun, was gerade so anfällt. Oftmals ist das jedoch nicht allzu viel. Da ist dann Eigenständigkeit gefragt: Wenn man nicht zum tausendsten Mal seine E-Mails checken will, dann sollte man die Zeit nutzen, um im Internet eigene Themenvorschläge zu recherchieren und die dann am Morgen während der Redaktionskonferenz zu präsentieren.
Heute hatte ich meine Kamera dabei:


















































Im roten Haus ist Radio Fritz und Radio Eins untergebracht - alles auf dem Gelände des Filmstudio Babalesberg. Die kleinen gelben Häuser stammen noch aus der Ufa-Zeit; damals gingen dort Heinz Rühmann, Marlene Dietrich und Konsorten ein und aus.

























Vor kurzem drehte hier Quentin Tarrantino seinen neuesten Film: Inglouriois Basterds. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man dort ein Kino mit einem riesigen Plakat über einen fiktiven Film. Der Schauspieler darauf ist jedoch ganz und gar real: Daniel Brühl.

























Auf dem oberen Bild ist die Filmhochschule Potsdam abgebildet, wo ich oftmals in der Mensa zu Mittag esse. Der RBB hat zwar auch eine Kantine, aber die ist etwas teurer und schwankt stark von der Qualität. Unten sieht man meinen Arbeitsplatz während der letzten Semesterferien: In den Shuttles habe ich die Besucher des Filmparks Babelsberg durch das Studiogelände gefahren und mir den Mund fusselig geredet. Im Hintergrund kann man noch das Außen-Set der Seifenoper Gute Zeiten Schlechte Zeiten erkennen.

So long!