Donnerstag, 12. Februar 2009

Erste Lebenszeichen

Ni hao meine Freunde der Sonne,


Nun bin ich schon den dritten Tag in Shanghai, habe aber vom Gefühl her mindestens so viel erlebt wie in den letzten drei Monaten. Am letzten Morgen in Berlin ließ die Nervosität überraschenderweise immer noch auf sich warten. Ich aß nur schnell zwei Nutella-Toasts und fuhr dann mit meinen Eltern nach Tegel. Dort empfahl mir mein Vater nachdrücklich, etwas Verpflegung für den Flug mitzunehmen. Da ich jedoch morgens nie Appetit verspüre und außerdem auf das „leckere“ Flugzeugessen spekulierte, lehnte ich guten Gewissens ab. Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber sei es im Zug oder im Flugzeug: Auf Reisen schmeckt mir das Essen immer doppelt so gut.


Also ging es auf nach London. Zwei Stunden Flug, eine Cola und leider nur eine mickrige Tüte Studentenfutter später musste ich mir in Heathrow den Weg zu meinem Terminal bahnen, oder besser gesagt bahnen lassen, denn ein Zug erledigte das für mich.


Dort traf ich dann auf drei Salzburger, die dasselbe Austauschprogramm absolvieren wie ich. Der Flug nach Shanghai verlief insgesamt ziemlich unspektakulär. Da die Crew unseren Jetlag vorbeugen wollten, wurde schon am frühen Nachmittag britischer Zeit auf Nachtbeleuchtung umgeschaltet. Beim Lunch entschied ich mich übrigens für die chinesische Variante, zum Frühstück wählte ich jedoch englisch. In der Erwartung, etwas Brötchen und Marmelade zu ergattern, bekam ich dann das Frühstück etwas britischer, als mir lieb war: Am frühen Morgen schon gab es Würstchen, gebratene Tomaten, Champignons, ein Omlette und eine Scheibe Bacon – alles triefend in einer riesigen Fettlache und mit Ketchup serviert... Halt andere Länder, andere Sitten.


Bevor ich jedoch von Shanghai zu erzählen beginne, möchte ich meine Eindrücke erst einmal ordnen. Nur so viel vorweg: Es geht mir gut, ich reite auf einer Welle voll Euphorie und bin erstaunt, dass mich noch kein panischer Kulturschock heimgesucht hat.


Von eine kleine Anekdote möchte ich jedoch noch berichten. Heute Mittag machte ich mich auf, um neues Guthaben für mein chinesisches Handy zu organisieren. Mein Anliegen war recht dringend, da ich wegen der Miete mit meiner Bank sprechen musste. Von der Rezeption meines Studentenheims wurde ich erstmal um die Ecke zum 24/7 Supermarkt geschickt. Dort gab man mir jedoch nur ein Kopfschütteln, deshalb ging ich weiter zum Wal-Mart, welches in einem riesigen Einkaufsviertel etwa 20 Minuten von meiner Bleibe liegt. Auch dort erstmal trotz wildester Körpersprache nur Unverständnis. Schließlich stand ich am Customer Service, wo ein Chinese, etwa Anfang 30, neben mir in der Schlange stand und von meinem Problem mitbekommen hat. Außerdem konnte er ziemlich gut Englisch, was die Sache ziemlich erleichtert hat. Nach längerer Diskussion mit einer Mitarbeiterin von Wal-Mart, bat er mich, ihn (d.h. Er war mit seiner kleinen Tochter und alten Mutter unterwegs) zu folgen, anscheinend müsse ich woanders mein Guthaben holen.


Auf dem Weg zu einem kleinen „Handy-Shop“ - nach westlichem Maßstab wohl eher als Schuppen zu bezeichnen – kamen wir in ein äußerst nettes Gespräch. Der Spießroutenlauf um mein Guthaben ging nun in die zweite Runde: endlose Telefonate, wilde Diskussionen, meine Simkarte wurde von Handy zu Handy gereicht etc. Ich fragte mich eigentlich nur: „Wenn selbst solch eine Lapalie so zur Tortur wird, was soll dann ...“. Außerdem verstrich die Zeit, die kleine Tochter von ihm wurde langsam ungeduldig und mir war es zudem zunehmend unangenehm, dass ich die drei so sehr aufhielt, insgesamt sicherlich schon eine halbe Stunde. Aber dagegen ansprechen half gar nichts, mein „Freund“ hat nicht locker gelassen, bis mein „Problem“ schließlich gelöst war.


Dankbar hielt ich nun mein aufgeladenes Handy in meinen Händen. Doch wie konnte ich mich dafür bedanken? Nun, da ich gerade bei Wal-Mart mir zwei recht lecker aussehende Törtchen geholt hatte, bot ich der kleinen Chinesin auf gut Glück eins an. Es stellte sich übrigens heraus, dass sie auf die Dinger total abfährt und ihr Vater eben selbst schon zwei für sie geholt hat, also was für ein Glücksgriff (Übrigens kann ich ihr Urteil nur bestätigen, sehr lecker)! Zum Abschluss waren wir also alle glücklich und zufrieden. Mein Helfer bot mir schließlich noch seine Visitenkarte an, wo ich dann in fetten Lettern lesen konnte: DHL – ihr wisst schon, der deutsche Paketservice – und wir haben nochmal eine Runde gelacht auf die Globalisierung: Die deutsche Wirtschaft ist hier überaus omnipräsent ;)


Übrigens, mein Mitbewohner ist Koreaner und wahrscheinlich so, wie man sich einen Koreaner vorstellt: äußerst ruhig, höflich, zuvorkommend, bescheiden und außerdem ein guter Koch, wie ich gerade herausgefunden habe. Nur konnte ich in seinem Curry das Fleisch nicht ganz zuordnen, habe aber einen üblen Verdacht: Ob so wohl Hundefleisch schmecken mag?


Bis die Tage und ich wünsche euch eine gute Zeit!


Nachtrag: Ich hab gerade eben nochmal bei einer chinesischen Freundin wegen dem Essen nachgefragt, die meinte nur: „Yeah, yeah, the Koreans love dog!“.

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