Viele von euch wollen sicherlich wissen, wie das "zensierte" Internet in China denn so aussieht. Eigentlich ist das ja aus europäischer Sicht schwer vorzustellen, gerade im Web 2.0-Zeitalter...
Um erstmal mit ein paar Mythen aufzuräumen: Es ist nicht so, dass man hier kein Zugang auf Wikipedia hat oder dass die BBC-Homepage geblockt ist. Also man bekommt nicht sofort mit, dass bestimmte Seiten zensiert werden.
Das ist allerdings gang und gebe, und zwar agiert die chinesische Regierung in dem Glauben, im Interesse des Volkes zu handeln und dieses vor bestimmten Inhalten schützen zu müssen. In anderen Worten: Das Volk wird bevormundet.
Wie sieht das nun genau aus? Ganz einfach, bestimmte Webseiten kann man einfach nicht aufrufen, es kommt immer eine Fehlermeldung. Dazu gehören zum Einen pornografische Inhalte, d.h. die ganzen Porno-Portale sind hier geblockt, um die einheimische Jugend zu schützen. Zum Anderen werden auch bestimmte politische Inhalte zensiert, nämlich die, die "vermeintlich" feindlich gegen das chinesische Volk, ihre Kultur etc. gerichtet sind (aus Sicht der Regierung). Meist trifft es Weblogs, die im Sinne einer Kritik- und Kontrollfunktion über gesellschaftliche Misstände berichten. Dieser Blog wird wohl jedoch aufgrund der geringen Reichweite eher uninteressant für die chinesische Zensurbehörde sein ;)
Nur als kleine Anmerkung: Im Westen wird ja immer auf die fehlende Meinungsfreiheit in China geschimpft und die eigenen freien Medien werden als das non-plus ultra dargestellt. Meiner Meinung nach gibt es keine freien Medien (und kann es auch niemals geben), die Mechanismen, von denen die Medien gelenkt werden, sind einfach andere. Während im chinesischen Mediensystem Zeitung und Rundfunk der Regierung unterstellt sind und daher auch mehr oder weniger von deren Machtinteressen geleitet werden, sind unsere Medien (mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Modells) von der Quote abhängig und daher werden sie teilweise in extremer Weise von wirtschaftlichen Interessen geleitet, siehe das Programm @ RTL, ProSieben und Konsorten.
Und es gibt natürlich auch massive Verflechtungen zwischen Medien und Politik. Das kann sich so drastisch äußern wie in Italien mit Berlusconi als Medienmogul, aber natürlich erscheint dieser Misstand nicht immer so offensichtlich. Ganz simples Beispiel aus der Luft gegriffen: Heute dauert ein Tagesschau- Beitrag nur noch ein Zehntel im Vergleich zu früher, damals gab es O-Töne von Politikern, die alleine so lange gedauert haben wie ein heutiger Beitrag insgesamt. Da konne man sicher wesentlich tiefgehender berichten als es heute möglich ist. Und da dies in der Politik bekannt ist, beeinflusst das natürlich auch die Reden im Bundestag, die journalistengerecht mir Füllphrasen gespickt sind, perfekt um es als Zitat einzubauen... (Natürlich enorm vereinfahct dargestellt!)
Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Während in China allgemein bekannt ist, dass die Medien der Partei unterstellt sind, wird man vielleicht als Leser bestimmte kontroverse Nachrichten von vorneherein kritischer betrachten. Da aber im westlichen System die Abhängigkeiten nicht wirklich transparent sind (es sei denn, man studiert Publizistik, hehe), besitzen die Medien eine wesentlich höhere Glaubwürdigkeit. D.h das, was in der Tagesschau ausgestrahlt wird, ist die Wahrheit. Diese Illusion halte ich für sehr gefährlig!
So, ich habe mich hoffentlich verständlich ausgedrückt. Keine Zeit mehr zum nochmal drüber Lesen, ich treff mich nämlich jetzt mit Nasr, der gerade in der Stadt ist.
Machts gut
Fabian
Donnerstag, 26. Februar 2009
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