Letztens war ich unterwegs, mir die Uni Bibliothek etwas näher anzusehen. Nachdem ich mir mit meinem elektronischen Studentenausweis Zugriff verschafft habe, stand ich schließlich vor den Schließfächern und konnte meinen Augen nicht trauen: Mehr als die Hälfte der Türen standen unabgeschlossen und halb offen, sodass die Taschen, Regenschirme usw. wie im Supermarkt griffbereit waren. Offensichtlich gab es nur für wenige der Schließfächer Schlüssel, aber ich habe dennoch sehr gezögert, meine Tasche dort zu verstauen. Schließlich überwand ich mich - allerdings nicht, ohne vorher mein frisch abgeholten Reisepass mit verlängertem Visum in meine Tasche zu stecken (ohne den wär ich echt aufeschmissen!).
Zwischenzeitlich betrat ich einen der Lesesäle, wo ich es mir mit einer Auswahl der recht spärlich vorandenen englischsprachigen Literatur gemütlich machte. Ringsherum wurden die chinesichen Studenten ihrem Ruf mehr als gerecht: Jeder saß über einem riesigen Haufen Bücher, manche sind darauf auch schon erschöpft zusammen gebrochen. Übrigens soll es schon Leute gegeben haben, die nachts um zwei bei McDonalds waren und dort noch vereinzelt lernende Chinesen gesichtet haben, aber das nur am Rande. Jedenfalls konnte ich während der Lektüre nicht 100%ig abschalten, sondern war immer halb in Gedanken bei meiner Tasche im offenen Schließfach. Völlig unbegründet, denn als ich nach einer Stunde wiederkam, war sie noch unversehrt da.
In Deutschland wäre das unvorstellbar! Ich erinnere mich noch, als meine Jacke von der TU/UdK Bib gestohlen wurde: Obwohl ich diese durch einen elektronischen Pin verschlossen habe, muss irgendein asozialer Wichser neben mir gelauert haben und mir über die Schulter geschaut haben!
Übrigens passt dies wiederum nicht zu einer anderen Information: Anscheinend lassen die chinesischen Studenten von der Bibliothek massenweise Bücher mitgehen, sodass es äußerst schwierig und für einen Austauschstudenten unmöglich ist, einen Bibliotheksausweis zu beantragen, mit dem man Bücher aausleihen kann...
Manchmal in den Vorlesungen kommt es zu etwas brenzligen Themen. Letztens wurde uns Mao von seiner menschlichen Seite vorgestellt. So sahen wir Videos von ihm beim Schwimmen im See und erfuhren von einem ganz speziellen Hobby von ihm: Mao soll eine Vorliebe für besonders scharfes Essen gehabt haben und im ganzen Land in dieser Disziplin unübertroffen gewesen sein. Aha... doch dass er Millionen von Leuten getötet und eine Vorliebe für kleine Jungen hatte, wurde kommentarlos unter dem Teppich gekährt.
Kleine Anmerkung: Als der Dozent fragte, ob wir schon etwas über Mao wüssten, hat sich ein Klugscheißer aus der ersten Reihe gemeldet und gesagt: "Ja, Maos Nachnahme ist Am und er hat als äußerst erfolgreicher Süßigkeitenproduzent seinen Konkurrenten Mam Ba auf den zweiten Platz verwiesen!". Sofort kam ein in Zivil verkleideter Sicherheitsmann und hat ihn stillschwiegend nach draußen gebeten. Vom Nachbarraum konnte man nur noch leichte KungFu Geräusche gepaart mit animalischen Schmerzlauten vernehmen. So viel zum Thema gefährliches Halbwissen! (Sorry, den konnt ich mir nicht verkneifen!)
Noch was lustiges, aber diesmal ohne ein Ende, was alles ins Lächerliche zieht: Ein Dozent begeht hier vor den österreichischen Studenten, die ja immerhin gute zwei drittel unserer Gruppe ausmachen, regelmäßig die Kardinalsünde schlecht hin. Auch wenn er weiß, dass wir aus einer Salzburger bzw. Wiener Uni sind, spricht er nicht von "austrian", sondern grundsätzlich von "german media system", "german economy" und "german philosophy" - als ob er die Landkarte von vor 60 jahren noch Gültigkeit besäße ;) Nachdem er bereits des öfteren von leicht erbosten Studenten erfolglos auf diesen faux-pas hingewiesen wurde, wurde auf österreichischer Seite schließlich frustiert resigniert. Wir Deutschen haben dagegen pro Vorlesung ein paar weitere Schmunzler sicher ;)
Macht´s gut!
Donnerstag, 5. März 2009
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also ich lass meine jacke immer vor der bib hängen und da ist noch nie was passiert! bin allerdings auhc nicht sooo oft in der bib ;)
AntwortenLöschenwie ist dass den mit der propaganda? werden die chinesen richtig mies indoktriniert oder hält es sich in grenzen?
vg aus dem ENDLICH FRÜHLINGSHAFTEN BERLIN
Nico
Hi Nico...
AntwortenLöschenSchön, mal wieder von dir zu hören!
Von wegen Propaganda, Hunde essen und so: Die ganzen Klischees kann man (zumindest in Shanghai) gleich über Bord werfen. Ist eigentlich alles sehr harmlos hier, jedenfalls wie ich das so mitbekomme ;)