Montag, 23. März 2009

Dies und das

...Hab in letzter Zeit lange nichts von mir hören lassen... Es ist zwar viel passiert, allerdings auch ein paar unerfreuliche Dinge:

- Visakarte verloren (wohl nochmal glimpflich ausgegangen, außerdem habe ich ein Postbank Sparkonto, mit dem ich 10 mal umsonst im Ausland abheben kann)

- Virus auf dem Laptop (scheint wieder in Ordnung zu sein)
- Passport war weg (hat sich ein Glück wieder angefunden, allerdings schäm ich mich immer noch, wie das in meinem Chaos passieren konnte)

D.h. jetzt steht einem neuen Blog Eintrag ja nichts mehr im Weg:

Am Freitag kam Manu hier an und am Abend haben wir Gastgeber für unsere koreanischen Freunde gespielt. Zum Essen habe ich vorbereitet:

- Bratkartoffeln (...die sich größter Beliebtheit erfreut haben, trotzdem ich sie im Wok zubereitet habe und das Timing von Kartoffeln mit Zwieblen und Paprika nicht optimal war)
- Hähnchenflügel und -Keulen
- Als Kaltspeise Karotten, Paprika und Cherrytomaten

Zum Trinken gab es:

- 6 Bier
- 1 Flasche Tequila (natürlich mit Salz und Zitronen)
- eine Flasche Jack Daniel´s (freundlicherweise gesponst von meinem Mitbewohner)

Wie ihr euch denken könnt, ist es ein lustiger Abend geworden. Yun (der Kumpel von meinem Mitbewohner, der kommt aus Seoul) hat sich (wie bereits beim letzten Abend) gegen Ende ins Koma verabschiedet und auch für uns war das Gelage um kurz nach 10 bereits vorüber. Wir haben halt um 6 Uhr angefangen - das war richitg strange, gut angetrunken so früh einzupennen, kam mir aber dennoch ganz recht, da ich am nächsten Morgen um 6 Uhr zu einem Trip aufbrechen musste.

Als ich mich daran machen wollte, alles abzuräumen und abzuwaschen, meinte O (so nenne ich meinen Mitbewohner, da sein tatsächlicher Name einfach zu kompliziert ist), dass ich doch alles stehen lassen solle. Am nächsten Tag rufe er die Putzfrauen an... Aha - ich zahle zwar recht viel Miete, dafür wird hier aber auch gesputet, sobald man über Telefon die Rezeption ordert!

Noch was ganz lustiges: Ich wollte den Koreanern den "U-Boot"-Drink zeigen. D.h. man tut ein Schnapsglas in ein großes Bierglas und muss es dann exen. Da die beiden Flüssigkeiten eine unterschiedliche Dichte besitzen, vermischen sie sich nicht. Die Koreaner kannten das Spiel ebenfalls, wenn auch ein wenig anders: Man tut ein leeres Schnapsglas in ein Bierglas und reihum muss man den Schnaps eingießen. Wer das Glas schließlich zum Untergehen bringt, muss das Ganze dann trinken (in unserem Fall "durfte" das Manu tun - übrigens erfolgreich). Die nennen das ganze jedoch nicht U-Boot, sondern Titanic - ulkig, oder?

Die nächsten beiden Tage war ich dann auf Trip nach Yangzhong... Die Gegend war teilweise echt unendlich trist, so als ob man im hintersten Winkel der Ukraine gelandet wär (kein Disrespekt!!!): Leere Straßen, hässliche Gebäude, überall Matsch und Müll, extremer Nebel etc.
Das Programm war auch nicht viel besser: Wir haben uns ein paar Fabriken angeschaut, *gähn*. Am Ende durften wir dann an den Jangtse-Fluss die Fischer beobachten. Das hatte ein bisschen was von Sozialtourismus und arme Leute beobachten, aber den Fischern schien es nicht zu stören, wir durften sogar auf ihre Boote rauf, auf denen sie übrigens auch gewohnt haben.

Insgesamt kam ein bisschen Klassenfahrt-Feeling auf, da wir mit einem Bus extra für uns gefahren sind. Neben den Österreichern waren noch ca. zehn Studenten der London School of Economics dabei. Da hat vor ein paar Jahrzehnten schon der berühmte Mick Jagger ein Semester BWL studiert, fand dann aber doch schließlich einen straighteren Weg, um an die Millionen zu kommen ;)

Gestern waren ich und Manu auf dann Tour in der chinesischen Altstadt, d.h. wir waren in zwei chinesischen Altstädten: Eine, die das touristischste Fleck Erde ist, was ich je gesehen habe! Grausam, überall werden einem Rolex Uhren, "Massagen" etc. angeboten und direkt neben dem Tempel häufen sich die Starbuck´s McDonalds und die anderen üblichen Verdächtigen.
Vorher waren wir aber in der "richtigen" Altstadt - das war der Hammer! Aber seht selbst:


...Welcher Blondschopf hat sich denn da aufs Bild gemogelt?
Zwischendurch waren wir eine Nudelsuppe essen und so exotisch, dass sogar alte Damen aus der Nachbarschaft raus kamen und uns anstarrten. Wir haben ein bisschen mit dem Besitzer des "Ladens" Bier gesoffen und viel gelacht. In meinem Anfänger-Chinesisch habe ich ihm erzählt, dass wir aus Deutschland seien, was bei ihm Freudensschreie und wilde Fußballgestikulierungen auslöste. Da mein Vokabular jedoch hart eingeschränkt ist, ging es mit dem üblichen Name-Dropping weiter: "Beckenbauer" hat er gesagt, und dann "Klinsmann" und "Ballack" und wir natürlich freundlich zurückgelächelt. Dann passierte plötzlich folgendes: Als ihm keine weiteren Fußballspieler einfielen, ist er aufgestanden, hat seinen rechten Arm zum Gruß erhoben, laut: "Heil Hitler!" geschrien und mit einem süffisantem Lächeln einen Schnurrbart auf seiner Oberlippe angedeutet. Wir waren völlig geschockt und ich meinte nur: "bu, bu!" (=nein) aber dann konnte ich einfach nicht mehr und hab den Lachanfall meines Lebens bekommen... Das ganze war einfach so unendlich surreal! Und ncht, dass ihr jetzt was Falsches denkt - der Typ war sicher kein Nazi. Der hatte einfach kein Plain, was er da gesagt hat. Im Gegenteil, der wollte halt irgendwie seine Sympathie mit uns bekunden, was er natürlich äußerst ungeschickt gemacht hat ;)

Machts gut

PS: Die nächsten Beiträge kommen jetzt Schlag auf Schlag. Bald gibts hier unter anderem ein Report vom deutschen Exportgut aka dem schnellsten Zug der Welt: der Transrapid.

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